Segeln bedeutet auch als Selbstversorger unterwegs zu sein und nur eine eingeschränkte Lebensmittelversorgung und Kücheneinrichtung zur Verfügung zu haben. Desweiteren bedeutet Segeln, daß alle in einem Boot leben und alle aus einem Topf essen. Entsprechend muß man sich irgendwie arrangieren und sollte sich bereits frühzeitig überlegen wie das funktionieren soll. (zurück zur Übersicht der Themen)
Dosenfutter
Prinzipiell
sind für Boot Dosengerichte wie etwa "Raviolie" oder "Erbseneintopf"
aus der Dose durchaus geeignet und relativ unproblematisch, da man Dosen
gut
lagern, verwerten und zubereiten kann. Zudem ist nur ein einziger
Topf zum Kochen notwendig (sehr wichtig!) und das Essen
schmeckt
zumindest ausreichend gut und ist in Null Komma nix
zubereitet.
Auch das Zubereiten großer Mengen offenbar hier kaum Probleme.
Trotzdem wird dies nur sehr selten praktiziert. Warum?
Das Problem
liegt hier weniger im technischen als vielmehr im psychologischen.
Einige Leuten wollen einfach keinen "Dosenfraß" und wenn sich
einige Leute quer stellen, dann gehts halt nicht, weil eben alle
das selbe essen müssen. Also wird man auf selbstgekochte Eintöpfe
ausweichen, die auch von Doesenfutterfanatikern meißt gerne gegessen
werden. Und schon sind wieder alle glücklich (außer man kommt
sich über den größeren Arbeitsaufwand und den vielleicht
etwas höheren Preis in die Haare)
Eintopf
Eintopfgerichte sind im Prinzip eine der besten Möglichkeiten um unproblematisch für viele Leute (je nach Schiff 6 - 30) zu kochen. Oft hat man nur einen kleinen Herd und wenige Töpfe. Mehr als ein oder zwei Töpfe lassen sich selten auf dem Herd gleichzeitig kochen und so ist man eindeutigen Limitierungen unterworfen. Zudem ist es bei vielen Gerichten schwierig große Mengen gleichzeitig warm zu kriegen ohne daß was anbrennt. Mit Eintopfgerichten geht das ganz gut. Sei es nun etwas auf Kartoffelbasis, auf Nudelbasis oder auf Reisbasis. Dazu kommt dann noch etwas frisches Gemüse, ein paar angebratene Zwiebeln, Tomatenmark, Gewürze und andere individuelle Zutaten und fertig ist die Pampe, die manchmal etwas seltsam matschig aussieht, aber meistens ziemlich gut schmeckt, vorallem wenn man Hunger hat.
Nudelgerichte
Auch Nudelgerichte mit Soße dazu sind immer eine gute einfache Sache. (Man rechnet übrigens ca. 125 Gramm Nudeln pro Person). Die Spaghetti a la Carbonara oder a la Bolognese sind einfach und lecker. Genauso kann man größere Nudeln machen und dazu eine Soße aus Hackfleisch oder eben gleich ein Gullasch. Wer hier besondere individuelle Köstlichkeiten zaubern kann ist bestimmt nicht unbeliebt.
Platznot
Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, daß Kochen auf einem Schiff eine echte Platzfrage ist. Man muß zum Zwiebelschneiden vielleicht den einzigen Tisch beschlagnahmen und wenn mehr als 2 oder 3 Leute um den Herd herumwurschteln wirds auch überaus eng. Ein Team von 2-5 Leuten muß daher ausreichen um alles irgendwie zu machen. Lieber weniger und dafür sollen die anderen dann Tischdecken, Abräumen, Abwaschen. Und mit den Arbeiten abwechseln sollte man sich sowieso.
Seegang und Kochen ?

(Bild
links: Kochen bei Schräglage und Seegang. Nicht ungefährlich.
Bild rechts: Spätzlekochen in einer anderen Küche.) Warme
Gerichte mit mehr Aufwand sind meißt auf den Abend beschränkt
wenn man in einem geschützten Hafen liegt. Tagsüber wird
immer mehr oder minder Seegang sein und da kocht es sich schwer.
Wer bei Schräglage einen Topf mit kochendem Wasser auf dem Herd
halten will, wird wissen von was ich rede. Von Vorteil sind hier spezielle
kardanisch aufgehängte Herde, die die Schiffsbewegungen ausgleichen.
Aber die können auch nicht alles ausgleichen und da darf man dann
wiederum nichts festhalten sonst fällts erst recht runter. Eine
Möglichkeit manchmal ist es, den Topf mit Draht gut fest zu binden
um das schlimmste zu verhindern. Wie auch immer, das ist schwierig,
anstrengend und nicht gerade ungefährlich. Deshalb sollte
man Mittags eher auf die Reste vom Vortag zurückgreifen oder
kalt
essen. Ein paar Sandwiches sind hier meist eine sehr beliebte
schmackhafte Alternative. Stangenweißbrot oder
Toastscheiben,
dazu grüner Salat, Tomaten und
Käse machen
schon ein ganz gutes Sandwich. Das läßt sich vorallem mit Schinken,
Gewürzen und Creme Fraich noch verfeinern. Jeder kann
sich da sein ganz persönliches Lieblingssandwich zubereiten.
Zusammen Essen & Zusammenraufen
Da das so individuell ist kann man den ganzen Tag lang fressen wie man will und immer wieder. Man sollte da auch nicht neidisch sein auf die anderen die vielleicht ein wenig mehr essen als man selbst. Die paar Mark machen das Kraut nicht fett und unnötig rumsrteiten braucht man deswegen ja auch nicht. Dafür sollte man eben ggf. darauf drängen daß dann auch Dinge vom gemeinsamen Geld gekauft werden die man selbst gerne mag. Die Alternative daß jeder sein ganzes Essen selbst zalt ist übrigens nicht so glorreich, wird furchtbar kompliziert und letztlich wohl auch nicht klappen. Also lieber gleich zusammenschmeißen und dafür ein bischen drüber reden wer was für "Verschwendung" hält, bevor man es "verschwendet" (gegessen) hat. Man sollte z.B. vereinbaren daß man Wein und Bier selbst kaufen / selbst bezahlen muß (falls nicht alles das trinken wollen). Nicht erwarten, daß über alles immer gleich ein Konsens besteht und stillschweigend noch nicht vorhandenen Tatsachen ausgehen, sondern ruhig etwas überpedandtisch über alles reden und ggf. entsprechende Regelungen vereinbaren.
Kontrolle & Improvisation

(Bild
links: Vollgestopfter Schiffskühlschrank mit Öffnung nach oben.
Bild rechts: Anbraten von kleingeschnittenen Maultaschen und tiefgefrorenen
rohen Eiern. Auch sehr interessant.) Bezüglich des Einkaufens
ist an dieser Stelle vielleicht auch nochmal anzumerken: Ein guter Grundstock
an Lebensmitteln sollte man gleich kaufen. Den Rest von
Tag zu Tag sollte man (in Koordination mit den Köchen
des nächsten Tages) dann jeweils nachkaufen. Man sollte dabei jeweils
konkret
kucken ob das Essen auch noch da ist, weil vielleicht hats ja jemand
weggessen ohne was böses zu beabsichtigen. Vielleich ist es aber nach
5 Tagen in der Hitze auch schon verschimmelt oder es reicht nicht,
oder es ist aufgrund eines Mißverständnisses
das Falsche.
Also sollten die Köche selbst alles nochmal kontrollieren.
Nicht daß es dann beim Kochen das böse Erwachen gibt und es
hinten und vorne nicht reicht. Aber improvisieren muß man
sowieso immer. Da ist das Hackfleisch das man statt in den nicht richtig
funktionieren Kühlschrank in den Gefrierschrank stecken mußte
und das nun ein großer Eisklumpen ist. Da sind die Eier die
im Kühlschrank zu unterst lagen und nun tiefgefroren sind,
weil das Ding so gut funktioniert hat. Da sind auf einmal zuwenig Kartoffeln
und
zuviel Sahne da die kaum noch haltbar ist. Da fehlt das eine
Gewürz, dafür hat man sich bei dem anderen geirrt usw.
usw. Kochen an Bord für soviele Leute unter diesen Bedingungen ist
immer ein lustiges Abenteuer.
Frühstück
Bleibt noch die Sache mit dem Frühstück. Dieses ist dem Mittagessen und den Sandwiches nicht unähnlich. Als Brot und Belag kommen hier ähnliche Dinge in Frage. Zusätzlich sind ein zwei Gläser Marmelade ganz günstig und alternativ Müsli. Dazu braucht man dann wieder mehr Milch die man auch für Kaba , Tee und Kaffe benutzen kann. An Kaffe und Kaffefilter sollte man ebenfalls denken, desweiteren an Tee (schwarzer?) und Zucker. Manche mögen vielleicht gerne ein Ei zum Frühstück (bei 16 Leuten sind das schnell 1 - 2 Schachteln) und Butter bzw. Magerine sollte auch immer genügend da sein. Alles andere wird sich binnen der ersten Tage dann schon einpendeln.
Getränke & Trinken
Als Getränke sind morgens meist Kaba, Milch, Tee und Kaffe willkommen. Asonsten ist meistens Wasser der absolute Renner. Dieses kann man ruhig in rauhen Mengen einkaufen wobei man etwas mischen kann was den Kohlensäuregehalt angeht. Auch Cola kommt oft gut an, während Fanta und Sprite eher ein Schattendasein führen. Saft ist ebenfalls eine gerne gesehene Alternative (Orangen~, und Apfel~). Wenns tagsüber kalt ist, wird man auch gerne auf Tee und Kaffee zurückgreifen (Thermoskannen bieten sich hier an.) Bei zu erwartendem Seegang und kaltem Wetter schon morgens entsprechende Mengen vorproduzieren und dann in Thermoskannen füllen. Lieber zuviel machen, als zuwenig haben (nachproduzieren bei Seegang ist ggf. unmöglich). Insgesamt kann man pro Person mit ca. 1 - 5 Liter Flüssigkeitsbedarf pro Tag rechnen (je nach Wetter und persönlicher Aktion). 5 Liter sind dabei eher eine Obergrenze. Der Mittelwert dürfte bei etrwa 2 Liter liegen. Man sollte nicht den Fehler machen zuwenig zu trinken. Aufs Klo kann man meisten problemlos aber wenn man langsam ausdörrt kriegt man blos Kopfweh, wird Müde und verträgt die Anstrengungen weitaus schlechter.
Drinks & Cocktails
Am Abend zum Sonnenuntergang genießt sich übrigens ein "Sundowner" besonders gut. Besonders nett sind Sachen wie Martini, Sherry oder eben der gute alte Portwein (Seefahrertypisch). Danach tuts auch ein guter Wein oder "schlimmeres". Segeln muß aber nicht zwingend zum Saufgelage werden, auch wenn einige das meinen. Man hat oft viel mehr davon wenn man es wach mitkriegt. Aber am Abend kann ein kleines Schlückchen in Ehren keiner verwehren. Auch der berühmte gemeinsame Manöverschluck ist sicherlich zur moralischen Festigung der Manschaft ganz o.k., vorallem wenns beim Schluck bleibt und man ihn sich genehmigt nachdem man sicher angelegt und festgemacht hat. Für viele Getränke und vorallem Cocktails sind übrigens Eiswürfel ganz gut. Hier bieten sich sogenannte Eiswürfelbeutel an, auch wenn die dann wieder ein bischen Plastikmüll produzieren. Dafür vereist der Kühlschrank nicht so schnell und es es kann bei Seegang auch nichts auslaufen. Drann denken: Eiswürfel ausreichend vorproduzieren! Wenn der Kühlschrank länger aber nicht geht, schmelzen die wieder.
Abspülen & Aufräumen
Bei all dem Genuß sollte man aber eines nicht vergessen: Am nächsten Tag geht es vielleicht zeitig weiter und vor dem Auslaufen muß alles Geschirr auch wieder abgewaschen und weggeräumt sein. Berge an dreckigem Geschirr sind nicht nur unschön, sondern oft auch fatal. Bei Schräglage und Wellengang läßt sich das dreckige Geschirr kaum irgendwo sicher verwahren und Abspülen schon gleich garnicht. Für geringe Mengen an Geschirr kann man noch die Spüle mißbrauchen. Wenn man hier alles schön reinklemmt dann hält es auch. Für das Geschirr von 16 Leuten reicht das aber niemals. Und man sollte auch an Gläser, Flaschen und Kannen denken. Alles was nicht runterfallen darf sollte im Zweifelsfalle weggeräumt werden.