Die Wahl des richtigen Bootes hängt natürlich eng damit zusammen welche Reise man machen will, aber es gibt ein paar Grundfragen die man sich bei jedem Boot stellen sollte, angefangen von Platzfragen bis zur Konstruktion und zu Ausstattungsfragen. Mehr über die unterschiedlichen Reisearten steht in Routenplanung, und mehr über die Finanzierungsprobleme steht bei den Kosten.. (zurück zur Übersicht der Themen)
(siehe auch +Segel-Links+ für einige Boote, Reedereien im WWW etc.)
Crew mit an Bord
Die Wahl des richtigen Bootes hängt natürlich von Details der Reise ab. Will man eigenständig fahren oder den Skipper mitmieten. Die Ijsselmeer-Schiffe sind inklusive Skipper zu chartern und haben extra Räume für die fest Besatzung. Das heißt, daß man getrennt wohnt und gemeinsam segelt. Kleinere Schiffe haben diesen Luxus der getrennten Bereiche nicht. Man sollte aber auch nicht vergessen, daß getrennte Wohnbereiche einen deutlichen Platzverlust bedeuten. Zwei Küchen, zwei Aufenthaltsräume, zweimal Toiletten und Duschen usw.
Schiffsgrundriß und Aufteilung
Die Aufteilungsfrage ist aber damit noch nicht beendet. Man sollte sich auf jeden Fall den Grundriß des Schiffes ansehen. Es gibt Schiffe die besser geschnitten sind als andere. Eine wichtige Frage die man sich stellen sollte ist: Brauche ich große Kabinen? Brauche ich gar eigene Toiletten und Duschen für jede Kabine? Zuviel Platz für Kabinen ist eigentlich verlorener Platz, denn er kommt nur jeweil 2-3 Leuten zugute. Ein Schiff mit 8 individuellen Duschen hat eben nichtmehr viel Platz für anderes. Außerdem ist es grundsätzlich praktischer lieber eine kleinere Anzahl an Bädern zu haben, die dann aber besser ausgerüstet sind und alle eine Tür haben zum Absperren, denn schließlich ist es nicht jedermanns Sache hinter einem Vorhängchen in einer 4 Personenkabine zu toilettieren. Grundsätzlich sollte ein Schiff mehr als eine Toilette haben die allgemein erreichbar ist (eine könnte ja verstopfen und dann braucht man noch eine Ersatztoilette). Eine Dusche sollte auch nicht fehlen und insgesammte sollte es mindestens 2 Räume geben (mit Duschen und Toiletten zusammen) die getrennt absperrbar und allgemein benutzbar sind. Für größere Schiffe kann man großzügig Rechnen und kommt dann etwa auf mindestens 1 Klo pro 8-12 Personen und 1 Dusche pro 10-20 Personen (mitbedacht daß man vorallem an Land duscht).
Getrennte Lebensbereiche
Trennung von Bereichen ist im allgemeinen immer günstig. So etwa wenn man drei Toiletten nebeneinander hat die alle vom Gang aus erreichbar sind. Daneben gibt es dann vielleicht noch ein oder zwei Duschen die auch seperiert und vom Gang aus erreichbar sind. In einem anderen Bereich des Schiffes der möglichst durch Türen vom Rest des Schiffs abgetrennt ist, befinden sich dann die Kabinen, die nicht mehr Platz bieten sollten als notwendig. Der Aufenthaltsraum selbst sollte dann in einem weiteren Teil des Schiffes sein und kann durchaus zusammen mit einer offenen Küche kombiniert sein. Allerdings hat es hier Vorteile wenn der Aufenthaltsraum nicht (zusehr) zersplittert ist, schließlich will man auch mal was gemeinsam machen. 8 kleine Sitzeckchen an Bord ersetzen immerhin keinen großen Aufenthaltsraum für alle. Vorteile der getrennten Lebensbereiche: Man stört sich nicht gegenseitig wenn der eine noch aufbleiben will und der andere schon im Bett liegt. Zusammenfasssen was zusammen gehört bringt z.B. den Vorteil daß man nicht erst durchs ganze Schiff rennen muß um irgendwo eine gerade unbenutzt Toilette zu finden, sondern man hat gleich alle im Blick. (Aber das ist z.T. Geschmackssache.)
Schlafen im Wohnbereich?
Ungünstig ist es wenn eine Kabine getrennt von den anderen direkt "im" Aufenthaltsraum ist. Das wird dann den Bewohnern schnell mal zu laut. Unbedingt zu vermeiden sind Durchgangskabinen, denn da hat man dann nie seine Ruhe oder traut sich nirgends durch zu gehen. Auch sonstige Dinge in denen unnötig etwas verquickt wird sind ungünstig. Wenn die letzten zwei Schlafplätze etwa auf dem Sofa im Aufenthaltsraum sind, dann kann das recht problematisch werden. Auch wenn das einzige Klo und die einzige Dusche in einem Raum sind ist das nicht unbedingt günstig.
Aufenthaltsraum / Wohnbereich

Wieviel
Platz braucht man im Aufenthaltsraum? Diese Frage ist nicht pauschal zu
beantworten, aber grundsätzlich: soviel wie möglich. Der Aufenthaltsraum
ist der einzige Raum in dem man sich einfach so aufhalten kann ohne gleich
im Freien zu sitzen. Hier sollte es wenigstens soviel Plätze an einem
ordentlichen Tisch geben, daß sich alle gemeinsam hinsetzen können
(z.B. zum Essen). Desweiteren darf es auch ruhig noch eine gemütliche
Sitzecke geben in der man sich dann tagsüber vielleicht auch mal hinlegen
kann. Viel Platz am Boden indess braucht man eher selten, außer man
will unter Deck eine runde Fußball spielen oder einen Tanzabend organisieren.
Was die Sache mit einer Bar betrifft, so ist das bestimmt was nettes, allerdings
kann man sich fragen ob man sowas wirklich unbedingt will und braucht.
Ein etwas größere Küche ist vielleicht wichtiger. Manch
einer mag auch eine etwas abgegrenzte Küche vorziehen, weil dann nicht
gleich das ganze Schiff eingedampft wird. All das kann man sich mal überlegen.
Ein idealer Grundriß ist vielleicht nicht zu finden, aber vielleicht
kann man möglichst viele wünschenswerte Attribute auf ein Schiff
vereinen.
Oberdeck
Das ganze ist also ein bischen so, als ob man eine Ferienwohnnug mietet. Da legt man auch wert darauf daß man sich darin wohlfühlt und nicht irgendwie eingeengt ist. Ähnliche Maßstäbe kann man bei einem Segelboot ansetzen, auch wenn es hier von Natur aus etwas enger sein muß. Man sollte auch nicht vergessen das Oberdeck (im Freien) mit zu berücksichtigen. Das kann auch mehr oder weniger gut sein. Manchmal gibt es eine schöne geschützte Sitzecke, ev. auch in Kombination mit einem Cockpit (wo das Steuer etc. "bedient" wird). Manchmal gibt es an Deck keine Sitzgelegenheiten und keinen einzigen gemütlichen Ort und vielleicht nichtmal eine gescheite Reeling. Blöd kann es auch sein, wenn das Deck komplett schwarz oder dunkelbraun ist. Das heizt sich dann im Sommer schnell mal auf.
Kabinen

Eine
weitere Sache ist die mit den Kabinen. Will man vorallem Zweierkabinen
oder kann man auch Dreier- und Viererkabinen (oder noch größere)
akzeptieren. Will man vielleicht Damen und Herren sogar trennen oder darfs
auch wild durcheinander gehen. Will man vielleicht sogar Doppelbetten?
Die meisten Schiffe haben eher Zweier- und Dreierkabinen, wobei manche
Schiffe vorallem Stockwerkbetten haben und manche eher Doppelbetten. Vorteil
von Stockwerkbetten: Jeder hat seinen ganz persönlichen Bereich. Vorteil
von Doppelbetten: Diese sind meist rechts und links begrenzt und man kann
auch bei Seegang drinnliegen ohne rauszufallen. Außerdem haben Pärchen
lieber Doppelbetten. Eine besondere Sache sind verschachtelte Dreier- oder
Viererstockwerkbetten. Dabei hat man im Fußbereich 3 oder 4 Betten
übereinander und nur im Kopfbereich mehr Platz, da die Betten an zwei
verschiedenen Wänden angebracht sind und im 90° Winkel ineinander
greifen. Etwas dumm sind auch virtuelle 2 Personen Betten. Das ist auf
Plänen nicht immer gleich zu sehen. Dabei handelt es sich manchmal
um Stockwerkbetten, dessen unteres Bett etwas breiter ist. Zwei Menschen
müssen sich hier aber schon sehr lieb haben um da gemeinsam drinn
Platz zu finden und dann stört immer noch der dritte der im Bett drüber
liegt. Auch allzu kurze Betten sind leicht ein Problem. Wenn man dann keine
Kinder an Bord hat sondern nur 2 Meter 20 Typen, dann gibt das viel Gemurre
und Rückenschmerzen. Ruhig mal laut Plan nachmessen und im Zweifelsfalle
konkret nachfragen.
Preisfrage
Man sollte also auch überlegen ob man ein Schiff überhaupt voll besetzen kann. Vielleicht will/muß man ja auch zusätzliche Manschaftsmitglieder mit an Bord nehmen, wie etwa ein Koch oder zusätzliche Matrosen für eine Hochseetour. Das geht dann von den Plätzen ab die man selbst frei belegen kann. Das ist immer auch eine Kostenfrage. Das entscheidende an einem Boot ist nämlich nicht der Gesamtpreis sondern der ProKopf/ProWoche-Preis. Dieser schwankt teils sehr. Für ein Ijsselmeer Schiff liegt er bei 280-380 DM. Für selbstgeskipperte 8 Mann Boote in der Adria bei 400-800 DM. Hinzu kommt eben immer, daß man ev. Leute mit an Bord nimmt dessen Kajüte man mitbezahlt, weil man froh sein kann sie an Bord zu haben (so z.B. ein Skipper der die Reise auch organisiert und das Finanzrisiko trägt etc.). Einkalkuliert werden muß auch immer daß man das Boot nicht ganz vollkriegt (z.B. weil jemand ausfällt, doch nicht kann oder weil man gehofft hatte noch ein paar zu finden aber nun keiner will). Daraus folgt dann oft, daß man sich nicht unbedingt jedes Boot leisten kann das man sich wünschen würde. (siehe auch Kosten) Das muß man dann in seine Kalkulationen und Erwägungen mit einfließen lassen. Und noch etwas: Jedes Schiff braucht eine gewisse Minimalcrew. Auch wenn man es sich also leisten könnte, kann man keinen Dreimaster mit 4 Leuten fahren. Zu wissen wie groß die Gruppe wird und wie sie zusammengesetzt ist, spielt also auch bei der Bootswahl eine große Rolle.
Schiffstyp
Da sind wir schon beim nächsten Thema. Was für ein Schiff will man. Eines mit grünen Segeln etwa? Muß man mal in Rußland suchen gehen. Oder vielleicht einen Dreimaster? Das ist dann gleich ein größeres Schiff. Will man auf die Nordsee hinaus? Dann muß es hochseetauglich sein und möglichst schon in der Nordsee seinen Heimathafen haben. Will man Trockenfallen und durch kleine Kanäle hindurch. Dann muß das Boot entsprechend ausgestattet sein. Für Details sollte einem hier der Vercharterer weiterhelfen. Genaues Nachfragen kann einem hier unangenehme Überraschungen ersparen. (siehe auch Routenplanung)
Marktüberblick
Ruhig mal bei verschiedenen Vercharterern nachzufragen ist grundsätzlich
natürlich auch nicht verkehrt. Neben den Preisen der Boote sollte
man auch deren individuellen Unterschiede berücksichtigen. Unterschiedliche
Boote haben auch einen unterschiedlichen Marktwert. Der hängt von
vielerlei ab und man muß sich da selbst erstmal einen Überblick
verschaffen. Auch nicht zu verachten ist guter Service. Den allerdings
findet man in keinem Katalog aufgelistet. Ein halbverrottetes Boot erkennt
man nicht am Katalog und manchmal nichtmal beim Betreten sondern erst wenn
auf hoher See alles in die Brüche geht. Wenn dann der Service gut
ist und man schnell alles ersetzt und repariert bekommt kann einem das
schon einige Mark mehr wert sein. Auch eine freundliche Crew an Bord ist
nicht zu ersetzen aber vorher auch nicht per Katalog zu ermitteln. Hier
ist man auf den Vercharterer angewiesen. Freundlicher und kompetenter Umgang
insgesamt sollte dem Unternehmen am Herzen liegen. Wenn ein Vercharterer
darauf offenbar keinen Wert legt, sollte man ihn für nächstes
Jahr links liegen lassen. Man kann sich ja auch mal umhören. Vielleicht
hat schon jemand Erfahrungen gemacht. (Empfehlungen werden an dieser Stelle
ausdrücklich nicht gemacht, aber untenstehenden virtuellen Beispiele
sollen Anregungen geben)
Beispiele
(auf die Bilde klicken für größere Versionen) einiger
Ijsselmeerschiffe:
(für ca. 16 Pers.) Hier ein Boot mit getrenntem Schlaf- und Wohnbereich.
Es gibt zwei Toiletten die mehr oder weniger integriert jeweils eine Dusche
haben. Der Aufenthaltsraum ist relativ groß und nicht vertreut. Es
gibt zwar kein Optimum, aber dieses hier ist schon ganz gut. Für 16
Personen jedenfalls relativ üppig.
(für ca. 18 Pers.) Ebenfalls ein relativ schönes Schiff mit
2 Dusch/Toiletten Kombinationen und zusätzlich zwei Waschkabinen.
Ein relativ großer Aufenthaltsraum mit einer gänzlich offenen
Küche. Die Betten sind nicht ganz zusammengefaßt sondern es
gibt auch Kabinen im hinteren Bereich. (Vorteil: Wenn man zu laut ist kriegt
man erstmal eher ärger mit denen die dort liegen und danach erst mit
der Crew. Die Crew hat somit einen Puffer zwischen sich un dem Aufenthaltsraum.)
(für ca. 20 Pers.) Hier liegt der Aufenthaltsraum vorne und die
Betten sind hinten. Problem: Die Kabinen nehmen einen relativ großen
Teil des Schiffes ein, was die logisch ist, da jede Kabine ein eigenes
Klo und eine eigene Dusche hat. Nicht unbedingt sinnvoll und das Klo in
der eigenen Kabine ist auch eher störend als nützlich. Für
sehr unhomogene Gruppen bietet das aber vielleicht die notwendige Distanz.
Man hat somit sein eigenes kleines Reich in dem schwimmenden Hotel. Tückisch:
Bei genauem Betrachten sieht man, daß es sich um 3 Personen Kabinen
handelt. Bei genauerem Hinsehen kommt man drauf, daß hier die unteren
Betten etwas breiter sind und somit wohl für 2 Personen ausreichen
sollen. Zumindest sollte man hier nochmal ganz genau nachfragen wie die
Kabinen wirklich aufgeteilt sind. Eine weitere Auffälligkeit ist,
daß hier relativ viel Platz für die Crew abgeht. Nichts wovon
man unbedingt profitieren kann.
(für ca. 22 Pers.) Auch hier liegen die Betten im hinteren Bereich,
während Aufenthaltsraum und Küche vorne zu finden sind. Die Betten
brauchen nicht allzuviel Platz. Es gibt vorallem 4 Personenkabinen mit
je 2 Stockwerkbetten, soweit o.k. Daneben gibt es noch Doppelbetten die
man auch irgendwie noch sinnvoll belegen kann da es sich um 2er Kabinen
handelt. Es gibt eine relativ große Küche und einen daran anschließenden
großen Aufenthaltsraum. Soweit so gut. Ein bischen blöd ist
die Durchgangstoilette im hinteren Bereich. Und jetzt das wirkliche Problem:
Es gibt zwei Durchgangskabinen (oberen zwei). Wenn man also vom hinteren
Teil zum vorderen Teil will muß man entweder durch diese zwei Kabinen
oder übers Oberdeck. Beides ist nicht so glorreich. Das heißt
natürlich nicht, daß das Schiff vollkommen ungeeignet ist, aber
auf solche Details sollte man achten, daß sie einem zumindest klar
sind.