Klassisch war das Internet eine kleine Clique Eingeschworener, die sich zwar nicht unbedingt gegenseitig kannten, aber dennoch ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl hatten. Das hat sich inzwischen leider etwas geändert, so wie es mit jeder kleinen Gruppe passiert in die zuschnell zuviele neue Mitglieder hineinkommen. Einige Nischen gibt es aber dennoch und einige Verhaltensregeln haben sich bis heute weiterbewährt. Dazu gehört auch der locker leichte Umgang mit Emails. Das bedeutet nicht etwa, daß man sich hier alles erlauben darf wie man nur will, aber es bedeutet auch daß man in netter Weise jeden x-beliebigen anschreiben darf ohne auf große Formalitäten und Floskeln allzuviel Wert legen zu müssen. Man sollte aber keinen Beleidigen und keine zu großen Ansprüche an ihn stellen (also NICHT: Du ich kenn Dich nicht, aber bitte erklär mir jetzt mal gefälligst alles.) Ein Facette dieser Lockerheit ist das "DU" (im Englischen stellt sich dieses Problem ja schonmal garnicht). Im Netz ist man grundsätzlich per Du. Wenn man sich aber unsicher ist kann man immer so antworten wie man angeschrieben wurde. Wenn man jemanden neu anschreibt kann man ruhig darauf vertrauen daß er/sie mit dem "Du" schon klarkommt. Eine Ausnahme könnte hier natürlich sein wenn man sich schon vorher persönlich kennt und in der realen Welt per SIE ist. Dann sollte man auch in der Email vielleicht damit weitermachen, vorallem wenn man eine gewisse hoefliche Distanz weiter wahren will. Aber ansonsten etabliert sich zunehmend das Du, nicht zuletzt deshalb weil gerade die jüngeren Leute erkannt haben, daß das Sie unnötig kompliziert ist und es im Englischen ja schließlich auch ohne geht.
Ansonsten geht es so ähnlich weiter. Die Emails beginnen vielleicht mit "Hallo Jens!" oder ähnlichem. Am Ende kann man schreiben was man will, aber es reicht auch ein "CU Karl" oder aehnliches (CU heißt dabei "See you" und ist eine von vielen dutzen üblichen Acronymen, siehe hierzu die Abkuerzungsliste). Wenn man auf eine Email antwortet oder sich schon länger Emails hin- und herschickt und jetzt nurnochmal einige Punkte verdeutlicht oder einige Stichpunkte schreibt, kann man getrost auch ganz auf Anrede und Gruesse verzichten. Man kennt sich ja bereits.
Woher kommt aber dieser lockere Umgang? Nun, eben zum einen aus der Gründerzeit wo alles (fast wie in der Flower Power Hippie Zeit) eine große Gemeinschaft war ohne Rangunterschiede. Es ging um Infos nicht um Status. So ein bischen ist das noch heute so, denn Emails sehen irgendwie immer ziemlich aehnlich aus (zumindest wenn man auf HTML verzichtet und sie rein als ASCII Text aufbaut). Da sieht eine Firmenmail nicht anders aus als die des Professors oder der Studentin. Ein wesentlicher Grund heute ist aber auch, daß in einer Email normalerweise weit weniger Aufwand steckt als in einem fein säuberlich getippten, ausgedruckten und unterschriebenen Brief den man noch eintüteln, mit Briefmarke und zum Briefkasten bringen muß. Emailen ist eine schnelle Methode um seinen Gedanken ausdruck zu verleihen. Vielleich ist sie deshalb ehrlicher und ungekünstelter. Genauso schnell wie man sie schreibt wird sie verschickt und gelesen. Emails sind Wegwerfmüll. Man liest oder überfliegt sie einmal, antwortet vielleicht und danach wandern sie auf die Datenhalde. Es ist deshalb auch nicht wichtig ob noch einige Tippfehler drinn sind oder nicht. Keiner wird sich drann stören. So wie es eigentlich mit fast allen informativen Dokumenten und Texten im Netz ist, spielt auch hier die Information im Kern die einzig entscheidende Rolle. Wie sie genau aufbereitet ist, interessiert eigentlich nicht wirklich (vielleicht nur Pedanten). Natürlich sollte eine Email trotzdem lesbar bleiben, aber ansonsten ist man nicht auf eine bestimmte Form fixiert. Man kann sie als persoenlichen Brief, als Kurznotiz oder Ausarbeitung schreiben. Der Zweck heiligt hier die Mittel.
Kontaktaufnahme
Emails kann man an alles und jeden schreiben. Wenn irgendwo eine Emailadresse oder eine Kontaktadresse steht, dann IST das auch eine Adresse wo man hinschreiben darf. Somit kann man sogar dem Präsidenten der USA eine Email schreiben, blos wird er sie nicht persönlich lesen. Die offizielle Emailadresse wird von seinen Mitarbeitern bearbeitet werden und man erhält allenfalls eine automatische Antwort. Man kann auf einem Professor oder dem Innenminister eine Email schreiben (sofern man eine Adresse hat / erhält) ohne Angst haben zu müssen ihn zu belästigen. Wie bei normalen Postanschriften auch, kann man erst recht bei Emails Vorkehrungen treffen um sie in die richtigen Bahnen zu leiten oder gar automatisch zu verarbeiten. Also einfach munter drauf los gemailt, aber Achtung! Emails schreibt man schnell und ebenso schnell sind sie unwiderruflich abgeschickt. Man sollte es deshalb vermeiden aus einem spontanen Hormonschub heraus seine Gefuehlsaufwallungen in eine Email zu packen und loszuschicken. Lieber nochmal ein Stündchen oder besser eine Nacht warten. Allzuleicht waehlt man unbeabsichtigt scharfe Worte die man spaeter nur schwerlich revidieren kann. Aber das gehoert eben auch zum Emailen: Es ist spontan und ehrlich und somit manchmal etwas zu ehrlich und naiv.
Wenn man andersherum eine Email erhält sollte man sich nicht zusehr davon tangieren lassen. Eine Email ist blos eine Email. Wenn man wueste Beschimpfungen erhält, hat hier jemand vielleicht überreagiert. In anderen Bereichen wäre derjenige vermutlich rechtzeitig zur Besinnung gekommen oder hätte sich nicht getraut. Aber Emails sind so furchtbar einfach zu schreiben, daß einem sowas schonmal "rausrutscht" und dabei vergißt daß man es mit einem realen Gegenüber zu tun hat. Böswillige Emails deshalb am Besten ignorieren. Seltsame Emails hingegen sind vielleicht einfach fehlgelaufen und waren für jemand anderen bestimmt, oder der andere hat sich einfach etwas wirr und undeutlich ausgedrückt. Dann nicht lange Grübeln sondern einfach antworten und nachfragen. Wenn man seine ersten Emails kriegt ist man vielleicht noch etwas aufgeregt und nimmt jede Emails sehr wichtig und sehr persoenlich. Wenn man erstmal zwei dutzend davon jeden Tag kriegt, wird man sich nichtmehr sosehr darum kümmern ob die Email kritisch oder hoeflich war. Man nimmt sie für das was sie ist: Ein flüchtiger Gedanke in einer schnelllebigen Welt.
Antworten
Wenn man Lust hat kann man auf eine Email sofort antworten (vorsicht ist eben nur bei Wortgefechten und Auseinandersetzungen geboten, denn hier schaukelt sich alles leicht hoch, dann lieber eine Nacht drueber schlafen). Wenn beide Emailpartner eine Weile vor dem Computer bleiben und sich immer schnell hin und herschreiben kann sich daraus auch ein sehr interessantes Schreibgespräch entwickeln. Das ist dann fast besser als eine Diskussion, weil jeder ausreden kann, alle Gedanken auformuliert werden und später nachlesebar sind. Natürlich wird man nicht immer so schnell antworten wollen oder können. Dann sollte man nicht den Überblick verlieren und nicht etwas Wust der neu eintreffenden Emails die alten unbeantworteten Emails verlieren. Es ist nämlich eigentlich schon Ouzus eine eingehende Email (die auch an einen persönlich gerichtet ist) auch wirklich zu beantworten und sei es nur damit daß man keine Zeit oder Lust hat oder sich derjenige bitte an jemand anderen Wenden sollte. Dabei spielt natürlich die Antwortzeit eine große Rolle. Vielfach ist es normal, daß eine Email binnen 10 Minuten nach Eintreffen auch beantwortet wird. Dabei ist aber nicht 10 Minuten nach dem Lesen gemeint. Das Problem ist wirklich, daß viele Leute heute Email und Internet nur sporadisch nutzen und trotzdem überall ihre Emailadresse angeben. So eine Email kann dann schonmal zwei Wochen oder zwei Monate ungelesen auf dem Server liegen bleiben. Das ist natürlich viel zu lange. Wenn man wirklich sinnvoll mit diesem Medium umgehen will und auch erwartet daß einem vielleicht irgendwer eine Email schickt, der sollte regelmäßig wenigstens 2 bis 3 Mal die Woche seine Emails abholen und beantworten. Wenn man das nicht macht, braucht man sich überhaupt nicht zu wundern wieso einem keiner mehr welche schickt. Regelmäßiger Kontakt mit Personen ist sowieso eine wichtige Grundvoraussetzung dafür, daß man im Zweifelsfalle per Email kontaktiert werden wird. Wenn man ein paarmal nicht antwortet und sich auch nicht von sich aus rührt, wird man bei anderen Personen in Vergessenheit geraten oder gar aus den Adressbüchern getilgt werden.
Gefakte Emailadressen?
Man sollte sich stets darüber im klaren sein daß Emailadressen alleine noch keine absolute Garantie dafür sind, daß ein Absender auch wirklich diese Person ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:
a) Die Absender-Emailadresse ist frei erfunden bzw. die Email kommt
nicht von dieser Absender-Emailadresse
Diese Art der Fälschung ist sehr leicht möglich denn SMTP
bietet bisher kaum Schutzfunktionen dagegen. Dieser Umstand ist seit langem
bekannt und es wird vesucht das möglichst weitgehend auszuschließen,
aber bisher kann man sich nach wie vor nicht sicher sein wer einem da gemailt
hat.
Ein Trick ist es eine Antwort zurück zu schicken und um eine Bestätigung
anzufragen mit einem bestimmten Passwort das derjenige zurückschicken
soll. Eine solche Email abzufangen ist nicht ganz so einfach und dadurch
kann man sich halbwegs sicher sein, daß einem derjenige die Email
geschickt hat dem auch die Emailadresse gehört. Online-Bestellsysteme
machen das oft so.
b) Jeder kann sich Emailadressen anlegen, die den Namen einer Person
enthalten
So kann man sich zum Beispiel bei GMX oder unter seiner eigenen Domain
eine Emailadresse anlegen die zum Beispiel "Hermann.W.Guelleheimer@ANTISPAM@gmx.de"
heißt. Dadurch entsteht der Eindruck daß man Hermann W. Guelleheimer
ist, aber natürlich verlangt GMX von einem keinen direkten Nachweis
daß man auch wirklich so heißt. In wirklich heißt die
Person mit dieser Emailadresse vielleicht Annabel Lackmayer. Man kann also
von der Emailadresse nicht auf die Identität der Person schließen.
Wie wahrscheinlich ist jetzt sowas?
Eigentlich passiert es recht selten, weil man auch kaum Vorteile hat
hier etwas vorzugaukeln. Aber man sollte doch sehr genau aufpassen wenn
man seltsame Emails erhält in denen geheime oder wichtige Informationen
angefragt werden. Wichtige Dinge die Niemand sonst erfahren soll, sollte
man sowieso versuchen niemals per Email zu übermitteln.
Abgehörte Emails?
Emails sind etwa so sicher wie eine Postkarte. Jeder der am Transport direkt oder mittelbar beteiligt ist kann sie lesen, kopieren oder sogar verändern ohne daß dies feststellbar oder nachweisbar wäre. Geheimnisse und kritische Daten gehören deshalb nicht in Emails. Vielleicht kommen Sie nie an, vielleicht verfälscht, vielleicht werden sie gelesen. Auch sollte man nie solche Daten die per Email übertragen wurden akzeptieren, denn vielleicht sind sie gefälscht oder frei erfunden und sehen nur so aus wie offizielle Informationen.
PGP
PGP ist ein Verschlüsselungs und Authentifizierungssystem bei dem jeder User einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel hat. Durch den privaten Schlüssel kann man Daten entschlüsseln die jemand anderen einem verschlüsselt schickt und mit unserem öffentlichen Schlüssel verschlüssel hat. Andersherum kann man Emails unterschreiben indem man sie mit seinem privaten Schlüssel verschlüsselt und jeder sie zum Beweis mit unserem öffentlichen Schlüssel entschlüsselt.
Bei PGP kann man also sicher sein, daß die Mails nicht verändert wurden und tatsächlich vom Absender kommen und nur vom Empfänger gelesen werden können.
Das Problem an PGP ist, daß man sich nicht so sicher sein kann wer der wahre Besitzer eines PGP Schlüssel ist. Vielleicht sagt derjenige zwar er sei Annabel Lackmayer aber ist in Wirklichkeit Hans-Peter Rabenschmidt. Es ist also eine recht komplizierte Beweisführung nötig um sich erstmal ganz sicher zu sein, daß der betreffende Schlüssel wirklich der Person und nur der Person gehört. Danach ist alles dann aber sehr sicher.
Adressenchaos
Ein gut geführtes Adressbuch aller wichtigen Emails ist heute ebenso wichtig wie ein gut geführtes Telefonbuch. Inzwischen haben sehr viele Leute eine Emailadresse und sehr viele Leute wechseln diese immer noch hin und wieder. Diese Änderungen muß man dann jeweils überall nachziehen sonst gibts Chaos. Ein guter Trick ist dabei die Verwendung einer universellen Emailadresse von der man seine Mails bei bedarf an eine andere Adresse weiterleiten lassen kann. Das in Deutschland am liebsten benutzte ist dabei GMX, aber auch Hotmail und Yahoo sind sehr beliebt. Für gewöhnlich richtet man sich dann eine Emailadresse <Vorname>.<Nachnahme>@ANTISPAM@gmx.de ein, also z.B.: "Fritz.Mueller@ANTISPAM@gmx.de", aber die Adresse kann natuerlich schon von einem anderen Fritz Mueller belegt sein.
Emailflut & Spam
Emails sind einfach, schnell, billig und problemlos an beliebig viele Leute verschickbar. Dadurch ist Werbung hier besonders einfach und lukrativ. Früher war es verpönt das Internet kommerziell zu benutzen. Der erste der es dennoch tat war ein Dosenfleischhersteller der das Produkt "SPAM" vermarktete. Dafür bekam er ein Haufen unfreundlicher Antworten und SPAM wurde zum Synomnym für Werbemails. Diese sind in der Tat nervend und es gibt immer wieder versuche diese durch Filter auszusperren, aber bisher war das alles nicht von viel Erfolg gekrönt. Schuld ist auch daß man nie genau wissen kann von wem eine Email kommt und es keine adäquaten Authentifizierungsmöglichkeiten gibt. Man sollte deshalb heute ein wenig aufpassen wo man überall seine Emails angibt. Vorallem wenn man in Newsgroups postet so kann dies jeder sehen und daraus i.a. die Emailadresse ermitteln.
Ein guter Trick ist es sich zwei Emailadressen einzurichten. Die eine ist die Private die nur die Freunde erfahren und die andere kann man getrost überall angeben. In die zweite läuft dann die Werbung ein die man aber ab und zu doch durchsehen sollte, weil vielleicht ist ja was wichtiges dabei. Aber man hat dann schonmal die Mail von seinen Freunden aussortiert und übersieht wenigstens die nicht. Auch können einem gut eingerichtete lokale Filter in seinem Emailprogramm helfen. Es gibt aber noch keinen allgemeinen Standard mit dem man nicht schützen könnte. Der Schaden der entsteht ist im allgemeinen aber auch eher gering.
Standard-Emailadressen
Unter fast jeder Domain gibt es eine Reihe von Standardemailadressen, die fast immer eingerichtet sind und zu den betreffenden Leuten weitergeleitet werden, die dafür zuständig sind. Diese Adressen sind zum Beispiel:
webmaster@ANTISPAM@ ... - Ist i.a. für
den Inhalt und die Funktionstüchtigkeit des Webservers zuständig
admin@ANTISPAM@.... oder administrator@ANTISPAM@....
- Ist i.a. für die Administration (technische Verwaltung und Betreuung)
zuständig
postmaster@ANTISPAM@... manchmal auch mailmaster@ANTISPAM@
... - Ist i.a. für den Mailserver zuständig
abuse@ANTISPAM@... - Bearbeitet normalerweise Missbrauchsanzeigen
info@ANTISPAM@.... - Allgemeine Adresse wenn man Infos braucht
root@ANTISPAM@... - Verweist auf fast allen Rechnern zum Superuser/Admin
support@ANTISPAM@... - Bei vielen kommerziellen Organisationen ist das
quasi die Hotline