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Act as a Pro
Der Profi von heute sollte in einem wichtigen Bereich unserer neuzeitlichen Gesellschaft keinesfalls Mankos aufzeigen: Dem Betreuen von Senioren. Wir haben zunehmend mehr Senioren und da ist es eigentlich eine selbstverständliche Sache mit diesen netten Vertretern der Generation von Gestern auch höfflich und kompetent umzugehen. Das ist nicht immer leicht. 
Oma Sitting
Was so speziell daran ist mit Omi richtig umzugehen wird man est merken, wenns mal nicht so klappt wie es soll. Dann wird das Mißverständnis zum Indikator dafür, daß etwas wohl noch nicht unbedingt allgemein bekannt ist oder nicht schon immer allgemein bekannt war. Modewörter führen hier genauso zu Verunsicherung wie die Erwähnung neuer Technologie. Aber auch andere Dinge offenbaren einem, daß in Omas vier Wänden nicht alles so geht wie in den eigenen und schließlich bleibt man selbst eben immer der kleine Enkel, wo sich Oma ernsthaft fragen muß "ob der das denn überhaupt schon kann".

Einkaufen für Oma:

Der Profi ist, was die Sache mit dem Einkaufen selbst angeht, ja eigentlich schon zu genüge geschult, aber für Omi einkaufen zu gehen ist eben doch immer noch etwas sehr besonderes. Das geht schon damit los, daß Omi einem ihren Einkaufszettel extra nochmal diktiert, weil man ihn ja vielleicht nicht lesen könnte oder er zu krakelig ist. Im Endeffekt kann sie ihn dann selbst nichtmehr lesen und er ist tatsächlich zu krakelig, aber irgendwie erinnert sie sich dann doch noch an alles was sie eigentlich wollte. Man muß ihr nur etwas Zeit. geben. Das ist sowieso ein wahnsinnig wichtiger Grundsatz. "Laß Dir ruhig Zeit Oma". Vielleicht sind es auch gerade diese Worte die sie sofort in Panik versetzen und soviel Hormone ausschütten, daß sie nicht nur anfängt zu schwitzen und zu zittern sondern gleich auch noch ihre sämtlichen Synapsen blockiert werden. Ein Biologe würde diese Reaktion wohl mit der Urpanik erklären, die dazu dient, alles nurnoch darauf zu konzentrieren möglichst schnell weg zu rennen. Bei Omis klappt das aber sowieso nichtmehr, schon alleine weil sie sich in einer Paniksituation garantiert nichtmehr daran erinnern können wo sie ihre Krücken haben stehen lassen. Außerdem sollten sie ja garnicht wegrennen, nur weil sie irgendwas auf ihrem Einkaufszettel nicht sofort entziffern können.

Der Profi aber weiß hier stets schon was Sache ist und hat alle Standardprodukte längst selbstredend auf seinen Einkaufszettel übertragen noch bevor Omi es diktieren konnte: "Eine Milch, 2 Sahne, 1 Butter, 1 Quark, 2 Brot, ..." Aber vorsicht. Selbst wenn Omi hier etwas ausläßt und wir es profihaft gleich vervollständigen und ergänzen, ist das nicht immer ganz korrekt, denn manchmal will sie etwas tatsächlich nicht. Andererseits will sie manchmal was was sie vergißt zu sagen. Alles nicht so schlimm könnte man sich denken. Einfach nachfragen. Als Profi sollte man das doch drauf haben. Weit gefehlt. Nachfragen bringt Omi leicht aus dem Konzept und dann muß man erstmal wieder erklären wieso man nachgefragt hat. Deshalb selbst versuchen auszuknobeln was am wahrscheinlichsten ist und dann einfach handeln. Oma redet, wir handeln. Das ist sowieso ein guter Grundsatz, denn Oma weiß meißtens noch recht genau was sie will, nur tut sie sich eben ein wenig schwerer das dann auch umzusetzen. Also setzen wir es um. Daß hier Omis unklare Befehle schonmal Roggenbrot statt Volkornbrot und Nutella statt Hanuta in den Wagen zaubern sollte nicht weiter stören. Oma störts zumindest auch nicht. Sagt sie zumindest. Stimmt aber nicht. Und das macht die Sache doppelt schwer, weil man bei Omi nichtmehr unterscheiden kann zwischen "Stört nicht"-(aber eigentlich doch) und "Stört nicht"-(aber eigentlich wirklich nicht).

Die Sache mit dem Hanuta ist übrigens so eine eigene Geschichte. Was soll man sich auch diese blöden Namen merken "Hanuta", "Nutella". Da macht man doch ganz einfach ein einziges draus "Nahuta". Ist doch prima. Weiß der Enkel gleich daß er beides bringen soll, oder eben eines davon. Oder der liebe Enkel sitzt da und macht erstmal große Augen, worauf Oma dann nochmal deutlich wiederholt "NAHUTA", was auch nichts bringt und Oma wiedermal darin bestärkt, daß der kleine Enkel noch immer der kleine Enkel ist und von allem nicht die geringste Ahnung hat. "Weißt schon was ich mein. So ein Nahuta. Des was mir immer kaufen." Ah! Der letzte Satz brachte doch einen wichtigen Hinweis. Schnell können wir die vier dutzend Artikel des Standardrepertoir aklappern und kommen spätestens jetzt drauf daß eigentlich nur Hanuta gemeint sein kann, selbst wenn uns das vorher überhaupt nicht in den Sinn gekommen wäre. Da sind Dinge wie "Kappatschino" ja noch geradezu lächerlich. Und so ist schon alleine das Schreiben des Einkaufszettels immer irgendwie eine geistige Herausforderung. Für beide Seiten. Eine Art alltäglichen Detektivspiels mit Überraschungen und Kniffen.

Also weiter im Zettel. Da gibt es Kaffe einzukaufen. Der Profi kennt die Lieblingsmarke von Oma, lange befor sie sich selbst an den Namen erinnert. Übrigens erinnert sich der echte Profi auch nicht an den Namen, aber der ist ja auch egal. Hauptsache man kommt mit dem richtigen Paket zurück. Wenn nicht muß man sich stundenlange Erklärungen anhören, indem dem kleinen Enkel erklärt wird wie das richtige Ding aussieht, wo es steht und von welcher Firma es ist. Alles Dinge die nicht interessieren. "Kaffe Sana" meinst Du Oma, oder? Das wäre die signifikante Info, aber Omis wissen oft nicht so genau welche Infos signifikant sind und welche nicht. Sie wissen nichtmal was signifikant bedeutet. Aber das ist auch nicht so wichtig. Hauptsache man versteht sich irgendwie und dazu ist ja schließlich ein Profi da. Wir wissen deshalb daß die natur Taschentücher nicht irgendwelches Blattwerk aus dem Blumenladen sind sondern natürlich die "Pro Natur" Taschentücher und wir wissen auch daß "1 Kaninchen und 1 Truthahn" nicht bedeutet daß wir den Kleintierladen plündern sollen, sondern es sich hierbei um Katzenfutterdosen handelt.

Aber es gibt auch Erklärungen bei denen selbst ein Profi echte Schwierigkeiten kriegen kann. So zum Beispiel wenns um Rotwein geht. "Bringste den mit den ich immer hatte." - "Oma, den gibts da aber nichtmehr." - "Na dann bringste den anderen mit ... den ... na Du weißt schon ..." Ich weiß natürlich nicht, aber warte geduldig. Jetzt blos nichts sagen von wegen "laß Dir Zeit" oder so. Endlich tröpfeln die Infos .... " ... den Mosel .... Mosel .... na den Rotwein halt." Hmmm. Aha. Den Mosel. Wir durchdenken alle Möglichkeiten, aber kommen drauf, daß uns hier wohl der Background fehlt. "Bringst halt so einen nicht so trockenen ...." Weiter lassen wir Omi garnicht erst kommen, um sie nicht in irgendwelche wahnwitzigen Ideen hinein kommen zu lassen, denn es ist völlig utopisch, daß wir einen halbwegs ansprechenden Wein finden. Erstens kennen wir uns da nun wirklich nicht aus (ein Profi sollte stets genau seine eigenen Grenzen kennen) und zweitens ist selbst eine genaue Geschmacksbeschreibung von Oma hier noch zu ungenau. "Na dann bringste halt den Mosel mit ..." Jetzt geht das wieder los. Naja. Vielleicht kommt sie irgendwie mit dem Namen weiter. " ... oder wenns den nicht gibt ...." Ah! Wir merken auf!  ".... dann bringste den Keller mit .... den ...." Oh jeh! Wir sehen uns schon wie ein Volldepp vor dem Weinregal stehen und alle Namen durchlesen. " ... den Kellerer See ...." Yes! Strike! Eine Info! Ok, kein Problem. Nachdem nun alles klar ist kann uns Omi natürlich auch sagen wozu der Wein gut ist (keinesfalls vorher): "Ja weißte ich krieg Besuch und wollte da einen Kuchen backen und da brauch einen Viertel Roten." Na wie gut, daß ich jetzt auch den richtigen mitbringen kann, nicht daß der Kuchen dann zu süß oder zu trocken schmeckt. Schnell weiter auf dem Zettel.

Aber auch jetzt wirds nicht weniger Anspruchsvoll. "Pfirsiche ... oder diese anderen ..." Sie meint Nektarinen. "Aber nehm die die so innen hell sind." Sie meint weiße Pfirsiche. Was der Name bedeutet haben wir auch erst hier gelernt. Weiße Pfirsiche sind außerlich auch nicht anders als gelbe Pfirsiche. Der Unterschied wird erst im Fleisch deutlich. Also gut. "Aber nimmste schöne. Nicht so wie die anderen das letzte mal. Die waren innen nicht so gut." Ah. Waren sie nicht. Sahen aber äußerlich gut aus. Innerlich wohl nicht. So so. Und wie kuck ich da ungeniert in die Dinger hinein, wenn mir mein Verkäufer im Nacken steht. Abgesehen davon hab ich sowieso keine Wahl. Sie haben halt die oder keine. Ich könnte natürlich auch alles in anderen Läden besorgen, aber Oma ist da etwas fixiert auf den Laden und weil wir Oma ja nicht aus dem Konzept bringen wollen, kommen wir zu ihr, schreiben die Sachen auf, besorgen sie im nächsten Laden den sie auch kennt und bringen sie ihr. Das entbindet uns auch irgendwie von weiter Verantwortung und schränkt die Möglichkeiten bei unserem Detektivspiel drastisch ein. "Und Orangen ... aber nicht die mit der dicken Schale ..." Aha. Sie meint also keine Nabelorangen. "Nein nein ... die vom letzten Mal. Die hatten so eine dicke Schale. Die nicht." Hmmm. Und wie seh ich das von außen. "Na das sieht man schon." So, sieht man das. Ist ja interessant. Naja. Wird schon irgendwie passen. Und die Gurke lang und dünn und den Eissalat fest und nicht braun. Die Erdbeeren nicht matschig. Alles eigentlich normale Wünsche, nur es ist schwierig irgendwelche Wünsche zu erfüllen, wenn man nicht recht weiß wie sie überhaupt aussehen. Und andersherum Oma keine Ahnung hat was es genau drüben gibt, weil sie nur 5 mal im Jahr hinübergeht.

Das war so etwa der Zeitpunkt wo man ohne Umschweife sagen kann: Ich weiß jetzt wieso Einkaufen manchmal soviel Spaß macht. Man darf selber Entscheiden und selber Handeln. Das ist eine ganz ganz große Freiheit. Die allerdings fällt weg, sobald man für jemand anderen Einkauft und dann minutenlang im Laden überlegt ob das nun demjenigen auch recht sein könnte, oder was genau er wohl wollen könnte. Unter diesem Phenomen haben vorallem Geschenkartikelläden zu leiden.

"Und dann bringste noch von der Theke ..." oh nein. Ich hasse die Theke. Das heißt immer entscheiden müssen ohne entscheiden zu dürfen. Genau das Problem. Keine Freiheiten. Wenn die Verkäuferin fragt "Ist das Stück gut" könnten wir eigentlich auch antworten "fragen sie doch meine Oma, vielleicht weiß die". Und was darfs heute sein. "... 100 Gramm gemischten Puten Aufschnitt". Der Profi weiß hier: Es handelt sich nicht um Katzenfutter und nicht um kleingeschnibbelte noch zuckende Pute, sondern um Putenwurst. Die lächerliche Menge von 100 Gramm Puenwurst zu verlangen ist ja eigentlich herausfordernd genug, aber dann auch noch "gemischten" zu verlangen, ist der Gipfel. Ein Scheibchen davon, eines davon und noch eines davon und eines hiervon und das sind jetzt sogar schon etwas mehr als 100 Gramm. Nur nicht zuviel sonst denkt Oma wieder wir hätten uns übers Ohr hauen lassen. Das denkt sie doch ständig. Nicht daß es ihr aufs Geld ankäme, aber sparsam muß schon sein. Und wenn da in der Zeitung von vor 3 Wochen ein Sonderangebot steht dann muß das auch noch zu finden sein, sonst betrügt der Laden schon wieder. Noch schlimmer: Wenn Putenschnitzel auf einmal im Angebot sind und wir sie die Woche davor noch zum normalen Preis bekommen haben, dann HAT der Laden die ganze Zeit betrogen. Natürlich sagt sie daß nicht so direkt, aber irgendwie so ähnlich, obwohl sie es gleichzeitig wieder akzeptiert. Wir akzeptieren es eigentlich auch, aber wir reden garnicht erst drüber.

Worüber man eigentlich auch nicht unbedingt redet ist die Sache, wenn man nicht genau das kriegt was man haben will sondern ein praktisch identisches Produkt von einer anderen Firma. Oma interessiert das schon. Wenns das eine nicht gibt, dann keinesfalls was anderes. So macht das im Laden natürlich wenig Spaß. Wir wühlen uns also durch die Regale, weil wir nicht etwa irgendein Spülmittel und nicht irgendein Toilettenpapier brauchen sondern ein ganz bestimmtes. Und wenns das dann wirklich nicht gibt, hält uns Oma erstmal wieder für zu klein und enkelig und wir haben das bestimmt nur nicht gesehen. Dann denkt sie laut darüber nach ob sie uns nicht vielleicht nochmal rüber schicken soll, damit wir es holen. Darauf versuchen wir dann zu erklären, daß man auch beim dritten oder vierten Mal keine Sachen mitbringen kann die es schlichtweg nicht gibt. Was sie dann einsieht, oder zumindest akzeptiert.

Ob wir nun "Hartweizengries" oder "Weichweizengries" mitbringen sollen fragen wir schon garnichtmehr, weil Oma da eh nicht weiter weiß und andere Ungenauigkeiten wie etwa das Möbeldings-Pronto (von dem es mindestens ein halbes dutzend Sorten gibt) oder "das Maggie Gewürz" (Maggie ist doch ne Firma, die viele viele viele Gewürze macht) übergehen wir einfach stillschweigend.

Wir kriegen noch ein paar ausführliche Beschreibungen mit auf den Weg, wo welcher Artikel genau zu finden ist. Entweder wissen wir das aber sowieso ganz genau, oder es stimmt sowieso hinten und vorne nicht, weil seit Omas letzem Besuch der Laden mal wieder total umgebaut worden ist und jetzt sowieso alles wieder woanders zu finden ist, oder eben garnicht.

Wir kriegen außerdem Geld mit, was auch ganz wichtig ist. Abgesehen davon, daß das Portemonai furchtbar riesig ist und wir nun wirklich keine Handtasche mitnehmen wollen. Zum Glück aber haben wir Hamster-Jeans-Taschen, blos hat da Oma wieder Angst daß wir den Geldbeutel verlieren könnten oder uns das Geld geklaut werden könnte, denn schließlich befindet sich die schwindelerregende Summe von 50 DM darin. Ob der kleine Enkel wohl schon damit umgehen kann. Um die alte Dame nicht noch weiter in Panik zu versetzen verschweigen wir ihr an dieser Stelle, daß wir in der anderen Hosentasche in unserem Geldbeutel mindestens das vierfache gerade mit uns herumschleppen und uns deshalb auch nicht großartig Sorgen machen. Aber neben dem praktischen und völlig knitterfreien 50 DM Schein, der vermutlich frisch gebügelt ist, hat uns Oma noch ein wenig Kleingeld mit rein, weil die an der Kasse sich immer so über Kleingeld freuen. So? Tun sie das? Hab ich noch nicht bemerkt. Ich stelle mir grade vor, wie Omi die Pfennigstücke herauskramt und zu Türmchen schlichtet, während hinter ihr die Menge johlt und tobt. Immerhin gibt es seit neuerem schon ein 1 DM Stück für den Wagenpfand, aber ansonsten finden wir nur ein paar wenige Pfennig und 2-Pfennig Stücke und noch weniger 5Pfennig und 10Pfennig Stücke. Naja. Ob uns das soviel weiterhilft wage ich zu bezweifeln. Meißt hat die Kassierin schon das Wechselgeld zusammen bevor ich überhaupt geschnallt hab, was ich ihr geben wollte oder sollte.

Und auch sonstige Einweisungen bekommen wir immer wieder unermüdlich. Die Milchflasche und die Weinflasche nicht zusammen nebeneinander sonst stoßen die Zusammen und gehen kaputt. Tuste halt die Butter oder die Gurke dazwischen, daß die nicht zambatschen und zerbrechen. (Anmerkung: Nur ein einziges Mal passiert und da hats mich aufs Maul gehauen mitsamt den Einkäufen. Fraglich ob da eine gemeine Salatgurke den Glasbruch hätte abfangen können.) Und die Sahnebecher nicht unten rein, weil die zerquetschts und dann laufen sie aus. (Anmerkung: Die laufen aus. Schon zweimal. Aber Beidemal waren sie nicht unten drinnen sondern obendrauf und der Scheiß deckel hatte irgendwie ein mehr oder minder großes Loch gehabt.) Und auf das Vefallsdatum schauen (Anmerkung: Der schimmlige Tost war eigentlich noch haltbar gewesen und die H-Milch war nicht bis letzte Woche sondern, bis letzte Woche in fünf Jahren haltbar gewesen.) Und, ach ja! Den Zettel vom Pfandflaschen-Zurückgebe-Automat soll man der Kassiererin geben nachdem man bezahlt hat. Keinesfalls vorher, weil sonst kriegt man sein Geld nicht raus. Der Profi kann diese Information richtig umsetzen. Oma bekommt ihr Geld offenbar gerne wirklich materiell heraus. Daß das Rückpfand auf der Gesammtrechnung nur abgezogen wird, reicht ihr ganz offensichtlich nicht aus. An dieses Detail brauchen wir uns zum Glück nicht zu halten, denn der Endeffekt ist derselbe und gleichzeitig entsteht der Eindruck wir wären mehr von dem Kleingeld losgeworden, ganz so wie das von Oma ja auch gewünscht wurde.

In diesem Sinne ziehen wir dann endlich los und wissen genau, daß wir ein mehr oder minder interessantes Bild abgeben, so wie wir verzweifelt suchend im Supermarkt hin und her rennen, denn das Detektivspiel geht hier ja eigentlich erst richtig los. Fondor (was ist das), Nudeln (nicht die vom letzten Mal hat sie gesagt, blos hat sie die selbst gekauft gehabt und konnte sich nichtmehr an den Namen erinnern), Truthahn (das war das Katzenfutter, blos ist das nicht zu finden, denn es gibt nur Rind, Kalb, Thunfisch, Innereien, ...). Nebenbei: Was ist das eine Katze eigentlich so wählerisch? Oder ist vielleicht Oma wählerisch oder die Katze hat eben einfach nicht soviel Appetit, wie Oma meint daß sie haben sollte, oder vielleicht ist es auch keine sogute Idee die Reste immer aufzuheben und wieder warm zu machen. Katzenfutter überhaupt warm machen? Fragen über Fragen. Aber viel interessanter ist noch: Wenn es als Katzenfutter Kaninchen und Rind gibt, warum gibt es dann nicht auch Hund und Katze? Oder wieseo gibt es kein Hundefutter mit Kaninchen und Katze? Gute Frage oder? Vielleicht ja, weil Omis es nicht kaufen würden und Omis viele Katzen haben.

Omas Müll wegbringen:

Das ganze Zeug in die Wohnung schaffen ist ja die eine Sache, aber irgendwann muß alles wieder auf dem einen oder anderen Wege raus. Gewisse Dinge entsorgen sich übers Klo, manche über den Balkon und der Rest über den Müll. Eine echte Herausforderung war da wohl für jede Oma das Recycling-Konzept. Das geht ja schon mit dem Wort an sich los. Es heißt "ReCYClinG" und nicht "Reseilin", obwohl man ja trotzdem weiß was gemeint ist. Einer alten Dame noch ihre heilige Welt kaputt zu machen die noch aus der Nachkriegszeit und dem Wirtschaftswunder stammt, ist schon hart. Da muß man auf einmal alles trennen, auswaschen, wiederverwerten usw. Aber sie hat sich da wirklich bemerkenswert gut hineingefunden. Fast schon zu gut. Von Dosen und Flaschen zieht sie die Etiketten ab und führt diese dem Papiermüll zu, bevor die Dosen in die Dosencontainer und die Flaschen zum Altglas kommen. Selbst Hanuta-Einwickelpapierchen (Nahuta) werden sorgfältig auseinandergetrennt und gefaltet. Das ist wichtig, hat sie mir mal erklärt, weil das weniger Müll macht und die Müllmenge doch wieder gestiegen ist. Hmm. Wir betrachten das winzige Nahuta-Papierchen und packen mit der anderen Hand den großen Sack in dem das gebrauchte Katzenstreu weggebracht wird. Hmmm. Also ich mein. Ich weiß nicht, ob man Nahuta-Papierchen wirklich unbedingt sorgfältig falten muß. Aber es könnte schlimmer kommen. Sie könnte die Dinger Bügeln.

Also ziehen wir erstmal los zum Müll. Oma ist schon wieder besorgt ob wir das auch alles tragen können, aber so drei lächerliche Müllsäcke nehmen wir doch mit einer Hand, was uns ermöglicht das Mülltonnenhäuschen aufzusperren, das seit der ganzen Müllreform sorgsam verschlossen wurde, da wohl zuviele Leute ihren Mist hier einfach reingeworfen haben. Der eine Sack kommt in die Restmülltonne und der andere muß fein säuberlich in die Bio-Tonne ausgeleert werden und die Plastikhülle selbst dann dem Restmüll zugeleitet werden. Diese Pedanterie hat sich zur Abwechslung aber mal nicht Oma ausgedacht, sondern die Gemeinde, denn Plastikmüll ist schließlich nicht biologisch und Papiertüten sind für den meist feuchten Biomüll nicht wirklich geeignet. Entsprechend interessant ist die Erfahrung dann, vorallem im Sommer. Deckel auf und erstmal schnell in Deckung gehen. Ein Schwarm Fliegen sind wie der Geist aus der Flasche froh endlich befreit zu sein, aber von wegen drei Wünsche und so. Dafür kommt noch ein Schwall sehr sehr seltsamen Geruches hinterher. Wir versuchen unseren Plastikbeutel aufzuknodeln und von außen an der Unterseite zu packen. Jetzt schnell und sicher hineinkippen. Wenn wir das gut drauf haben, kommen wir mit der glibberigen Biomasse auch nicht in Berührung. Wenn wir Pech haben fällt der Plastikbeutel mit samt Inhalt in die Biotonne und dann kriegen uns keine zehn Pferde mehr dazu das Ding da wieder heraus zu tauchen. (Das wäre ja fast so spektakulär wie die Toilettenszene aus Trainspotting, aber wir vermuten mal zu recht, daß die Mülltauchaktion weniger romatisch ablaufen würde.)  Danach muß der Deckel dann wieder geschlossen werden, was ein besonderes Problem darstellt, denn  der ist inzwischen weit nach hinten gekippt und wir müssen uns weniger wohl als übel weit über den gähnenden Schlund der Tonne beugen um an ihn heran zu kommen. Offenbar hat auch Omi das schon mitgekriegt denn sie besteht inzwischen darauf daß wir uns danach sofort die Hände waschen. Früher konnten wir noch in einem Gang den Müll wegbringen und dann gleich Einkaufen gehen. Heute ist das unmöglich geworden.

Kombinierbar mit dem Einkaufsgang ist aber nach wie vor das Entsorgen von Altpapier, Dosen und Altglas. Das ist ausreichend sauber, vorallem so wie es uns Oma gibt. Wie gesagt: Die Flaschen gut gespült, das Altpapier gefaltet (nicht gebügelt will ich hoffen). Im Prinzip stellt das Wegbringen somit auch kein Problem dar, auch wenn uns die allzu sorgfältig verpackten und gefalteten Altpapier schon beinahe in Verlegenheit bringen. Einzig auf eine Sache weist uns unsere Oma immer wieder hin: "Da ist noch ein zweiter Einkaufsbeutel drinnen. Paß auf, daß Du den nicht mit reinschmeißt." (Anmerkung: Ein einziges Mal ist das pasiert und da war das Ding irgendwie zwischen die Altpapierstabel mit reingefaltet. Außerdem hat das zur Dezimierung der Jutesäckchen-Überpopulation mit beigetragen. Da haben wir dann einmal eine Plastiktüte im Laden mitnehmen müssen. Was für ein Umweltdrama. Andererseits gehen Oma ständig die Plastiksäcke aus und wir dürfen ihr dann von daheim welche mitbringen. Wo sie wohl denkt daß wir die herhaben?)

Omas Post holen:

Wie hat jemand mal so schön gesagt: Mit zunehmendem Alter freut man sich immer weniger über Post, weil es fast nur noch Rechnungen und Mahnungen sind. Ich kann dazu nur sagen: Wenn man noch älter wird, bekommt man vorallem Prospekte und Werbung. Abgesehen von der monatlichen Telefonrechnung in Höhe von 38 Mark 50 (was für eine lächerliche Summe, verbraucht man selbst manchmal mit einem einzigen Gespräch weitaus mehr) gibt es kaum noch Rechnungen. Dafür die diversen Bürger- und Gemeindezeitungen die allesamt doppelt soviel Anzeigen wie Infos enthalten, aber dafür gratis den Briefkasten verstopfen und treue regelmäßige Zuschriften von irgendwelchen Lottierien und Preisausschreiben, die einen persönlich mit völlig falsch geschriebenem Namen anschreiben. An der Fortpflanzung von Fehlern kann man dabei sehr schön erkennen wer hier an wen welche Adressen verkauft hat. Der Profi Tip deshalb: Bei Preisausschreiben absichtlich kleine Fehler einbauen damit man sieht von wo wer welche Adressen erhält (die Post kommt trotzdem an, egal ob statt "Mayer" dort "Meiler" zu lesen ist oder die Nummer statt "130" nur "13" lautet. Die Postboten sind da auch echte Profis.)

Das Problem bei Omas Post ist eigentlich nicht, daß sie so wahnsinnig viele kriegt, vorallem nicht so wahnsinnig viele die wichtig wäre. Das Problem ist schon eher daß viel Volumen anfällt und er selten geleert wird. Die Austräger geben sich dann alle Mühe auch noch ihre Zutat irgendwie reinzustopfen und ich darf es dann wieder versuchen herauszupulen. Werbebrief, Postkarten und Zeitungen haben sich dann zu einem einzigen Knäul verknotet und wollen sich einfach nichtmehr durch die enge Briefentnahmeöffnung herausziehen lassen. Irgendwie schafft man es aber dann doch und sei es mit roher Gewalt. Oft ist es auch simpler das ganze von hinten aufzurollen (quasi in einer Undo-Operation) indem man es durch den vorderseitigen Briefschlitz wieder in umgekehrter reihenfolge herauspult. Das mag den Argwohn der Nachbarn erregen, aber ist einfacher bis endlich wieder genügend Luft im Kasten ist für anderweitige Manöver. Wir freuen uns es überhaupt irgendwie zu schaffen, aber dafür kuckt dann Oma nicht sonderlich glücklich wenn wir mit den zerkrümpelten Sachen wieder oben in der Wohnung erscheinen. Oma mag nichts zerkrümpeltes. Knitterlook findet sie total uncool, obwohl sie es so nie sagen würde. Sie würde sagen "garschtig". Unerwünschte Sachen sind "garschtig", wie zum Beispiel unsere eigenen Geldscheine in unserem Geldbeute die wir dort mehr oder minder hineingefaltet und gestopft haben. Deshalb hat Oma auch so einen extra großen Geldbeutel wo man die frischgebügelten Scheinchen ohne jede Faltung ordentlich (und ganz wichtig: aufrecht, also nicht kopfüber) hineinverwahren kann. Das Argument, daß einen die Scheinchen sowieso nur beim Ausgeben erfreuen und es uns da dann wurscht sein kann wie sie aussehen, weil wir sie dann sowieso gleich los sind, läßt sie nicht zählen.

Die Sache mit Omas Post hat aber noch ein paar andere Facetten, denn ältere Damen scheinen grundsätzlich etwas anfälliger auf unglaubliche Werbeversprechen zu sein. So werden sie durch Fernsehen und Prospekte berieselt und müssen es schließlich glauben, da sie keine relativierenden anderen Erkenntnisse erhalten bzw. sie müssen sich diese relativierenden Erkenntnisse erst mühseelig und kostspielig selbst erarbeiten. So etwa bei einer hier nicht näher genannten Klassenlotterie. Uns, die wir in der Schule mit Statistik und Stochastik maltretiert wurden, ist es völlig begreiflich wieso es sich lohnen kann im Fernsehen für ein Glücksspiel zu werben. Die Bank gewinnt immer. Abertausende von Leuten müssen sich mit gerade noch erschwinglichen Beträgen blöd zahlen, daß ein paar Wenige inklusive der Bank gigantische Beträge gewinnen. Uns ist das klar, Oma nicht. Sie kalkuliert den Loskauf als Geldanlage und verspricht uns die sogut wie sicheren Gewinne in Höhe von einigen Millionen zukommen zu lassen. Daß die Millionbeträge eigentlich Höchst- oder Gesamtsummen waren und die Gewinnwahrscheinlichkeiten schöngerechnet und interpretierbar sind versteht sie nicht und kann sie auch garnicht. Wer knappe 4 Jahre zur Schule durfte hat von Mathe eben nicht viel mitgekriegt. Es reicht eben gerade um die Überweisungen für die Lose richtig auszufüllen. Da müssen wir dann mit pädagogischen Gesprächen und Nachhilfestunden-Crashkursen dazwischen gehen ohne aber Oma irgendwie zu bevormunden. Schließlich ist es ja ihr Geld, aber mit ein bischen Fingerspitzengefühl schaffen wir es dann, daß es auch ihr Geld bleibt.

Omas Umverpackungstechnik:

Eigentlich wären Omas ja die ideale Tupperwarengeneration, aber zum Glück haben das noch nicht alle so richtig entdeckt. Was da so alles umverpackt, umgefüllt, aufgeteilt, eingepackt und eingefroren wird ist fast schon nichtmehr zu glauben. Das hat dann ganz unterschiedliche Auswirkungen, aber nur selten tragen diese dazu bei daß sich die Sachen auch tatsächlich länger halten oder daß mehr davon gegessen werden kann. So zum Beispiel die Sache mit den Katzenfutterdosen. Ich meine, es gäbe da ja auch gleich die kleinen Dosen für die Katzen mit nicht ganz so großem Appetit, aber die großen sind eben preiswerter (soweit kann Oma ohne Probleme rechnen) also kauft man die großen. Natürlich muß der Inhalt aufgewärmt werden, was die Katze ja noch irgendwie akzeptieren kann. Den ersten Teil kriegt sie gleich und frißt ihn meist auch willig (zumindest falls sie Hunger hat). Der Rest wird im Gefrierfach zwischengelagert und dann am nächsten Tag wieder aufgetaut und warm gemacht. Dies indess toleriert die Katze nurnoch kurz vor dem Verhungern, also praktisch nie, denn Oma ist viel zu treusorgend als daß sie das Tier hungern lassen würde. Und so wandert regelmäßig ein Großteil der Doseninhalte in den Müll (in den Biomüll versteht sich). Daß sich das freilich nichtmehr rechnet können wir Oma aber wieder nur schwer vermitteln. Was solls auch, ist ja ihr Geld. (Andererseits müßte sie dann nicht die Nahuta-Papierchen ordentlich falten und zusammenlegen, weil das Katzenfutter im Müll vielmehr Platz verbraucht als die Papierchen, aber egal.) Die negative Seite für uns dabei ist, daß Oma immer überlegt welche Katzenfuttersorte das arme Tierchen überhaupt noch fressen mag. Schließlich läßt es inzwischen von so ziemlich jedem was stehen. Daß das keine grundsätzliche Verweigerung der jeweiligen Sorte sein muß sondern schlichtweg auf die nicht artgerechte Behandlung des Futters an sich zurückzuführen ist, haben wir zwar schonmal versucht zu vermitteln, sind aber bisher mit der Durchsetzung dieser Lehrmeinung gescheitert.

Die andere besondere Sache ist die mit der Milch. Es gibt ja Milch in Flaschen und Milch in Tüten (wie sie zwischenzeitlich als sehr modern galten, was aber wohl an Oma vorbeigegangen ist). Oma braucht aber nicht viel Milch und will immer wieder alles ordentlich verschließen. Also wird kurzerhand die Tütenmilch komplett in eine ausgespülte leere Glasmilchflasche umgefüllt. Wunderbar denkt sich Oma und ärgert sich dann andererseits aber drüber daß die Milch aus der Tüte nie so lange hält, wie die aus der Flasche (deswegen läßt sie uns jetzt nurnoch H-Milch in Tüten einkaufen, denn die füllt sie aus nicht näher geklärten Gründen nicht um und eiderdaus das Zeug hält sich wahrlich ewig.) Der Profi aber weiß: Ausspülen reicht da bei einer Glasflasche nicht. Will man auf den Einsatz von Bestrahlungsgeräten oder chemsich hochaktiven Desinfektionsmitteln verzichten, so hilft eigentlich nur energisches Auskochen (in Fachkreisen auch Autoklavieren genannt), ansosten bleiben Keime zurück (wie eben überall) und die Milch machts nicht lange sondern wird sauer (was ja auch nicht gleich ungenießbar bedeutet). Aber das konnten wir Oma irgendwie nicht wirklich vermitteln.

Auch ansonsten wird alles umgepackt, aufgemacht, umgefüllt, warmgemacht und eingefroren. So zum Beispiel die Fertiggerichte von Essen auf Rädern obwohl auf den Packungen eindeutig steht "nicht auftauen, nicht öffnen, einfach direkt in den automatischen Aufwärmer stellen", aber Oma ist da eben irgendwie souverän und individuell. Dafür schmeckts dann eben auch matschig und verkocht. Wers mag. Deshalb braucht man aber auch garnicht versuchen Oma andere Fertiggerichte anzudrehen wie Pizza oder Dosenessen. Oma würde die Pizza vermutlich vorher schon lange auftauen lassen und vorher kurz in der Pfanne anbraten und die Dosen würde sie nach dem Kaufen umfüllen in kleine Schraubgläschen.

Omas Voratshaltung:

Was Oma unter Vorratshaltung versteht würden wir vielleicht als Leanmanagment bezeichnen und allenfalls in irgendwelchen WGs oder Junggesellenhaushalten antreffen. Wenn sich Oma einen Vorrat angelgt, dann bedeutet das zum Beispiel: zwei Stück Butter statt einem oder einen großen Quark statt einem kleinen. Alles was über das minimale das dringend gebraucht wird hinausgeht ist bereits Vorat. Es wäre wirklich mal interessant was Oma sagen würde wenn wir sie einen Blick in unsere Voratskammer werfen liesen wo sich hunderte von Konserven, Flaschen und Tiefkühlschränke den wenigen Platz teilen und uns ein monatelanges Überleben bei etwaigen Naturkatastrophen sichern würden. Merke: Ein Profi hat immer von allem einen grozügigen Vorrat sodaß er sich sämtliche Handlungsfreiräume offen läßt. Denn: Wegschmeißen kann man immer noch. Aber Oma schmeißt eben nicht gerne weg und kalkuliert deshalb so knapp wie möglich. Das wiederum führt dazu daß sie niemals von irgendwas mehr im Hause haben will als notwendig. Und dafür werden wir dann eben alle Tage lang losgeschickt um wieder ein Päckchen Backpulver oder eine Butter zu holen, obwohls sich beides ja recht lange hält und somit auch in größeren Mengen eingekauft werden könnte.

Daß Oma überhaupt manchmal größere Packungen und etwas nicht so kleine Mengen einkauft ist sowieso nur unser Verdienst. Wirklich umfassend akzeptiert hat sie es aber nicht, was sich dann eben auch in der interessanten Umverpackungstechnik äußert. Auf diese Weise wird Oma eben mit der Situation fertig. Verstehen kann man ihre Einstellung zur Vorratshaltung dann wenn man bedenkt daß Oma noch die Kriegs- und Nachkriegszeiten mitbekommen hat. Da gabs eben einfach nicht soviel und man mußte immer ein bischen was davon und dann ein bischen was hiervor besorgen. Natürlich hat sich das heute geändert und es ist möglich und sinnvoll gleich palettenweise die Dosen zu kaufen. Darüber hinaus ist es sogar billiger wenn man große Mengen und große Packungen kauft. Das wirtschaftliche Grundprinzip was dahinter steht aber hat Oma noch nicht so wirklich durchschaut. Natürlich ist es auch für Hersteller und Ladenbesitzer wesentlich interessanter und billiger eine 500 Gramm Packung Tomatenmark zu verkaufen anstatt 50 Stück 10 Gramm Packungen. Schon alleine der Verpackung wegen. Aber das ist halt wieder die Sache mit der Mathematik bei der wir es mit Oma eben nicht ganz so leicht haben. Aber vielleicht sollten wir es mal versuchen mit dem Müllaufkommen zu begründen. Lieber nicht, denn sonst müssen wir auch noch kucken möglichst kleine Verpackungen zu finden.

Oma und Technik:

Omas und Technik. Das beißt sich. Nicht daß sie was dafür könnte, aber es ist eben schwierig mit einem Bereich des Lebens zurecht zu kommen den es den allergrößten Teil des Lebens nicht gab und für den man nie besonderes Interesse oder sonderlich viel Zeit hatte. Es geht schon mit dem Kühlschrank lost. Oma kriegt Panik wenn das Licht beim schließen der Türe nicht wirklich ausgeht, weils zuviel Strom verbraucht. Wenn die grüne Netzkontrollleuchte beim Gefrierschrank nach dem Abtauen nichtmehr leuchtet hat Oma die Panik, weil er ja offenbar nicht funktioniert, nun alles schlecht wird und sie ihn kaputt gemacht hat. Dabei geht das Gerät einwandfrei, alle sonstigen Lämpchen brennen und das Ding surrt. Nur eben die Netzkontrollleuchte (die ja blos anzeigt daß Strom da ist) muß wohl kaputt sein. Uns ist das klar: Wenn die anderen Lämpchen brennen ist Strom da. Oma nicht. Und es fällt uns auch schwer zu erklären warum das eingebaute Termometer nicht sofort wieder auf -20°C zurückgeht. "Oma das dauert ... mindestens bis heute Abend ... Aber es läuft und ist ja schon unter 0°C ... mach Dir keine Sorgen. Das Zeug wird nicht gleich schlecht."

Aber man darf Omas da nicht überfordern. Man muß sie darin bestärken daß es grundsätzlich immer gut ist einem Bescheid zu sagen, wenn sie unsicher ist. Sonst läuft es wie vor einigen Jahren, wo sie monatelang ohne Herd ausgekommen ist, weil sie den Einschaltknopf abgebrochen hatte und sich nichts hat sagen trauen. "Oma da muß blos ein neuer Knopf rein, kein Thema." Dafür hat Oma die ganze Zeit gefastet. Deshalb muß man immer beschwichtigen. "Du das geht bei anderen auch kaputt ... das passiert jedem ..." So etwa wie bei den letzten zwei Malen als der Fernsehr den Geist aufgegeben hat. Das hat sie zum Glück relativ schnell gesagt, denn ein Fernseher ist auch was wichtiges. Einer der wenigen Kontakte zur Außenwelt. Da muß man dann auch sagen "Du, kein Problem: Unserer ist auch grade kaputt gegangen." Und das hat sogar auch noch gestimmt. Beide Male sogar. Wenn sie aber jedesmal gleich was gesagt hätte, anstatt zu warten bis kurz vor was wahnsinnig wichtigem (z.B. Dianas Beerdigung) so wäre es weniger stressig gewesen und zudem hätte man beide Geräte gleichzeitig zum richten bringen können. Aber so sind Omis eben. Immer nicht zur Last fallen wollen und immer nach dem "stört nicht"-Prinzip. Dabei stört es einen dann vorallem selbst, weil das oft noch mehr Arbeit gibt und man immer nachfragen muß "Na? Irgendwas kaputtgemacht?"

Die Sache mit dem Fernseher ist auch nochmal sowas. Also die grundsätzliche Bedienung ist ja jetzt zum Glück klar. Blos wenns einen neuen Fernseher gibt dann muß man natürlich wieder alle Programm einstellen so wie sie waren, denn Oma weiß blos "das eine kommt auf 5  und das andere immer auf 7". Aber wie waren die Programme denn nun eigentlich eingestellt. Auch da ist wieder Detektivarbeit gefragt: "Also Oma, wie war das? Glücksrad kommt auf 7." Wo kommt eigentlich Glücksrad jetzt? Anhand von Omas, Geduld, einer Fernsehzeitung und dem Fernseher bekommt man schließlich alles zusammengepuzzelt. Zum Glück muß man sowieso nicht die ganzen drei dutzend Kabelkanäle einstellen sondern es reichen die ersten 9 Programme, weil wie sie auf die Kanäle über 9 kommt weiß Oma sowieso immer noch nicht, obwohl wir ihr es schon mehrere dutzend Mal erklärt haben. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so, weil da sind vorallem Shopping-, Musik- und Nachrichtenkanäle. Andererseits macht sich Oma schon auch so ihre Gedanken "Wozu wohl diese ganzen anderen kleinen Tasten noch da sind?" fragt sie so, als ob sie hören will daß ich das auch nicht weiß und es total doof finde soviel Zeugs auf eine einzige Fernbedinung zu bauen. Aber soviel lügen können wir nun doch nicht und erklären mal wieder daß das der Videotext ist und wozu er gut ist und wie man ihn benutzt. Aber Oma benutzt ihn nicht. Das ist uns ebenfalls sonnenklar.

Genausowenig wie sie den Videorekorder benutzt hat den man ihr mal rübergestellt hat. Dabei hat man ihr extra einen schönen alten Heinz Rühmann Film besorgt den sie so gerne mochte. Den hat man ihr eingeschaltet und die Bedienung des Gerätes erklärt und mit ihr geübt. Bei der Befragung einige Tage später erfährt man dann aber nur, daß der einzige Knopf an den sie sich wohl noch erinnert hat der Stop-Knopf war und sie den Film nach der Hälfte abgeschaltet und nichtmehr eingeschaltet hat. Offenbar ist es schwierig mit dieser besonderen Freiheit zurecht zu kommen. Wenn man ein Leben lang die monolineare Mediendiktatur gewöhnt war kann man sich nicht einfach darauf umstellen immer dann genau das sehen zu können was man gerne sehen will.

Eine besonders intensive Erfahrung hat sich neulich ergeben. Wir kommen zu Oma um für sich einkaufen zu gehen und bemerken so nebenbei auf dem eingeschalteten Fernseher eine Onscreen-Anzeige die aktiviert ist. Eine Onscreen-Anzeige ist für die heutige Homecomputer-User Generation nichts besonderes. Da sind eben auf dem Bildschirm Menüs und Funktionen eingeblendet und daneben noch einige andere wichtige Infos, die aber zum Glück alle wieder verschwinden wenn man die entsprechende Taste drückt und das Menü verläßt. Kaum jemand ist verwirrt was da wohl zum Fernsehprogramm gehören mag und was davon nun vom Fernseher kommt. Der Unterschied zwischen den Einblendungen durch den Fernsehsender und denen des Fernsehgerätes ist zugegeben nicht besodners groß, aber doch deutlich erkennbar. Keiner wird sich darüber aufregen was für einen Quatsch heute das Fernsehen wieder einblendet. Oma auch nicht. Aber das schlimme daran: Oma bemerkt es nicht. Nachdem der Fernseher seit einiger halben Stunde mit aktiviertem Onscreen-Menü läuft und Oma auch eifrig kuckt bringen wir das Thema zur Sprache und stoßen auf breite Unverständnis. Endlich können wir Oma wenigstens ansatzweise erklären was wir meinen und Oma beteuert daß sie dieses komische Zeugs eben gerade zum allerersten Mal gesehen hat und sie garantiert nichts dafür kann. Wir versuchen noch zu erklären um was es sich handelt und wie man die störenden Einblendungen (zumindest Jeden außer Omas störend) wegkriegen kann, da offenbar uns Oma die interessante Theorie "vielleicht kommt das daher daß die vorhin in der Sendung mit der Türkei telefoniert haben" und wir brechen mitten im Wort unsere Bemühungen ab.

Daß Schweigen Gold und reden allenfalls Bronze ist, fällt uns sowieso immer häufiger auf. Da war die Sache mit Fernseher und der Fernbedienung. Wir sitzen da und kucken mit Oma Fernsehen und auf einmal fällt uns auf daß der Fernseher immer wieder für Bruchteile einer Sekunde kurze Aussetzer hat wo er Rauschen zeigt. Hmmm. Seltsam. Wir fragen Oma ob sie das öfters hätte und müssen erstmal erklären was nun eigentlich. Daraufhin kriegen wir die Antwort daß das einerseits schon öfters so sei andererseits ihr das um ersten Mal auffalle. Naja, nungut. Aber die Aussetzer halten an. Und wir beginnen uns Gedanken zu machen. Entweder es liegt am Sender oder Kabel, dann könne wir eh nix machen. Oder aber es liegt am Fernsehr oder der Fernbedingung. Vielleicht hat die einen Wackelkontakt (die hatte schon mal Ärger gemacht) und sendet jetzt immer mal wieder absurde Signale die der Fernseher mit kurzen Aussetzern quittiert (beim Umschalten setzt er ja auch aus). Wir sind Profi, wir lassen nichts unversucht und dreht einfach mal die Fernbedienung genau vom Fernseher weg. Wenn das Ding wirkliche denken sollte, so erreicht es jetzt wenigsten den Fernseher nichtmehr. Oma sieht das un will natürlich wissen was wir da machen. Wir versuchen es ihr mit einfachen Worten zu erklären und denken auch erfolgreich gewesen zu sein. Als die Störungen trotzdem anhalten, erkennen wir daß es NICHT an der Fernbedienung liegt und teilen dies auch Oma mit, nicht daß sie jetzt denkt es würde ein Zusammenhang bestehen. Kurze Zeit später hören wir aber dann aus anderer Quelle, daß Oma jetzt ganz genaue Vorstellungen darüber entwickelt hat wie die Fernbedienung zu liegen hat wenn man Fernsieht. So ist Oma jetzt davon überzeugt, daß sie immer genau direkt auf den Fernseher ausgerichtet sein muß.

Besonders Kontrovers ist die Sache mit dem Telefon. Einerseits ist ein Telefon für Oma eine wirklich wichtige Sache, weil sie damit im Bedarfsfall unsere Hilfe (oder auch mal Schokostreusel für ihren Kuchen) anfordern kann. Andererseits haben sich Telefon und Oma noch nicht so wirklich angefreundet. Oma behandelt es eher distanziert und zurückhaltend und das Telefon ist zu Oma auch nicht immer lieb und tut keineswegs immer das was Oma will das es tun soll. Zum einen sind an dem Ding schonmal wieder viel zu viele Knöpfchen und Funktionen, zum anderen funktionieren heute Schnurlose garnichtmehr wie ein richtiges Telefon. Auflegen und Abnehmen bei einem Schnurlosen kleinen Ding was aussieht wie eine Fernsteuerung, ist eben ein wenig virtueller als Oma sich das noch Vorstellen mag. Tückischerweise sind schurlose da auch etwas individuell. Das eine nimmt man schon implizit ab, indem man es aus dem Ladesockel zieht. Das andere muß man explizit abnehmen indem man auf die Abnehm-Taste drückt. Das stiftet dann schonmal Verwirrung. Und wirklich schlau wird Oma aus dem Teil auch nicht. Ob es nun gerade abgenommen oder aufgelegt ist schein Oma weder zu erkennen, noch scheint dies besonders wichtig zu sein.

Besonders interessant wird es dann, wenn man noch weiß daß Oma inzwischen ein ganzes Arsenal an Telefonen in ihre Wohnung gestellt bekommen hat, damit sie im Bedarfsfall nicht weit rennen muß wenns Klingelt. Nur unter diesem Hintergrund kann man es dann verstehen wenn bei ihr anruft und dann erstmal lange niemand ran geht. Dann plötzlich hört man wie abgenommen wird und es raschelt und gibt seltsame Geräusche. Dann hört man wie sich Schritte langsam entfernen. Auf das Rufen ins Telefon kommt aber nach wie vor keine Antwort. Hmmm? Was ist geschehen. Der Profi erkennt hier, daß es sich um ein Oma-Technik Kompatibilitätsproblem handeln muß. Offenbar ist folgendes passiert: Oma hat das Telefon aus dem Ladesockel genommen als es geklingelt hat und sich dann wohl korrekt mit "Oma" gemeldet. Daraufhin hat sie entnervt bemerkt, daß keiner antwortet, aber dafür das Ding immer weiter klingelt. Das hat sie dann zu der Überzeugung geleitet, daß das blöde Schnurlose wohl wieder widerspenstig ist und nicht richtig funktionieren will. Sie hat dann eben einfach aufgelegt (Druck auf die Auflegen-/Abnehmen-Taste) und hat beschlossen zu dem anderen Apparat (dem nicht schnurlosen) zu gehen. Dort angekommen wird sie aber wohl keinen großen Erfolg gehabt haben. Das dumme daran: Bis Oma aufgrund ihres Ordnungssinnes nicht wieder das Schnurlose in den Ladesockel zurückverfrachtet hat, ist der Anschluß mehr oder minder blockiert und wir haben keine Chance ein erneutes Klingeln auszulösen, das Oma erkennen lassen könnte, daß doch noch jemand mit ihr sprechen will und es sich nicht nur um einen dieser dubiosen Anruf gehandelt hat über die sich Oma immer wieder beschwert (und von denen vermutlich die meisten verlaufen wie eben geschildert).

Wie wenig Omas mit dem Medium Telefon an sich zurecht kommen zeigt sich auch beim puren Umgang mit dem Telefonieren. Eine heute allgemein bekannte Tatsache ist, daß man sich am Telefon nicht sehen kann, was wiederum erzwingt, daß man alles explizit sagen muß. Das wissen wir, aber das weiß nicht unbedingt Oma. Was sie auch nicht unbedingt weiß ist daß man am Ende eines Telefonates nicht unbedingt einfach auflegt, sondern vorher noch irgendwas sagt was dem anderen klar macht daß man es gleich zu tun gedenkt. Auch sollte man längere Pausen vermeiden, vorallem wenn man das Telefon derweil irgendwo weglegt oder sich  mit anderen unterhält. Dies gilt insbesondere dann wenn man dies tut ohne es irgendwie anzukündigen oder einzuleiten. Omas haben auch mit anderen Dingen beim Telefonieren Schwierigkeiten. Besonders manifestiert sich das bei Anrufbeantwortern. Wer auf seinem Automaten schonmal einen Anruf hatte der mit "Sagen Sie dem Herren sowieso daß er bitte Frau sowieso zurückrufen sollte ..." beginnt, weiß wovon ich schreibe.
 
 Einkaufen mit Oma:

Eine besondere Herausforderung selbst für den abgebrühtesten Profi ist es zusammen MIT Oma einkaufen zu gehen, denn dies offenbar einem gleichzeitig zwei entscheidende Probleme. Erstens muß man versuchen die ausgefallenen Wünsche von Oma zu erfüllen und gleichzeitig muß man sich um Oma selbst kümmern. So ganz nebenbei darf man dann noch auf den Verkehr achten, die Waaren auf das Band legen etc. Oft aber kommt es noch viel schlimmer, denn dann muß man auch noch gegen Oma arbeiten. Oma ist dabei nicht der Situation mächtig und man muß sich darum kümmern die Siutation zu erfassen, die Situation zu managen und auch noch Oma zu managen dessen Übereifrigkeit gerade fehlgelenkt antikordinativ in eine völlig falsche Richtung arbeitet, und das oft noch mit atemberaubendem Tempo.

Während wir noch dabei sind die Waare auf das Band an der Kasse zu schlichten, kaum hinterherkommen und uns schon freuen daß uns Oma nicht zu helfen versucht, weil das nur zu Zusammenstößen und Chaos geführt hat, bedenken wir nicht was sie gerade sonst machen könnte. Als wir einige Sekunden später Oma suchen ist es schon zu spät. Sie müht sich gerade ab die Kartons, die wir uns sorgsam hergerichtet haben um gleich die Einkäufe darin zu verstauen, zurück zu hieven in die Container aus denen wir sie uns vorher geangelt haben. Diese extremen Streß- und Überforderungsituationen sind eigentlich einem Medizinertest oder Einstellungsprüfung würdig, aber wir wollten doch eigentlich nur mit Oma einkaufen gehen.

Natürlich ist es nicht die ganze Zeit so anspruchsvoll. Wesentlich besser verläuft es wenn wir erstmal Oma bis zum Laden bugsiert und sie an einen der Einkaufswägen gehängt haben. Sie geht dann autark mitsamt dem Wagen durch die Gänge und wir müssen nurnoch am vorderen Ende des Wagens unterstützend eingreifen um ihn in die richtige Richtung zu lenken. Natürlich sind wir hier auch ständig Alarmbereit um gewünschte Produkte auf Omas Anweisung oder auch nur auf einfachen Fingerdeut in den Wagen zu schlichten. Die Frage der Stückzahl ist da oft schon nicht so einfach an Omas Finger abzulesen und auch auf eifriges Nachfragen hin kaum zu klären.

Schwieriger wird es wenn Oma bestimmte Dinge braucht und die aber noch nicht selbst geortet hat. Dann werden wir losgeschickt und dürfen oft das unmögliche finden. Klassiker sind hier "Pudding", "Tortenböden" oder "Bohnenkaffee" (ganze Bohne). Wenn man noch beim Aldi ist (billig ist hier für Oma sehr wichtig) dann gibt es eben einiges nicht. Das muß man Oma dann aber erst in eifrigen Diskussionen klar machen. Schlimmer ist es auch hier wenn sich Oma nur undeutlich ausgedrückt hat. "Ich brauch Milchschnitte." Aha, wird man sich denken und will schon zum Kühlregal losspurten, aber fragt dann doch noch sicherheitshalber mal nach (denn Oma hat noch nie Milchschnitten gekauft): "Wieviele brauchst Du denn?" - "Na so eine große Packung eben." Aha. Seit wann gibts bei Milchschnitte sowas. Also weiterfragen: "Bist Du Dir sicher, daß es hier sowas gibt?" - Oma: "Ja, kuck doch da vorne die Frau hat es auch im Wagen." Sie zupft uns am Ärmel und bugsiert uns in die Richtung, wo wir noch einen flüchtigen Blick auf den Wageninhalt einer davoneilenden Dame erhaschen können. Also, da war so ziemlich alles drinnen, blos keine Milchschnitten. "Oma was genau meinst Du?" - Oma:"Na Milchschnitten, da kuck doch." Sie zupft uns wieder am Ärmel und will daß wir doch einfach hinkucken. Für Oma ist es sonnenklar und eindeutig zu sehen, wir sehen garnix. Der Profi aber ist solchen Herausforderungen durchaus gewachsen. Gehirn anwerfen, assoziativen Speicher aktivieren und auf höchsten Assoziationsgrad stellen. Unsere Synapsen feuern und bringen tonnenweise Vorschläge. Oma zupft an unserem Ärmel. Ja doch! Unsere Logikeinheit ist vollauf beschäftigt die eingehenden abstrusen Vorschläge auszusortieren. Alles fliegt raus, doch plötzlich: "Oma, meinst Du vielleicht Milchbrötchen?" Oma kuckt nur fassungslos, hat sie uns doch schon mehrmals genau gesagt und sogar gezeigt was sie haben will. Wir spurten los, Oma versucht uns am Hemdsärmel festzuhalten aber wir lassen sie scheitern. Wir krallen uns die Milchbrötchenpackung und kommen zu Oma zurück. Die empfängt uns mit "Na endlich. Ja genau. Endlich hast Du kapiert. Milchschnitten. Aber ich brauch noch zwei Packungen." Wir seufzen leicht. Naja. Was solls. Gehirn wieder zurückschalten und bei den Synapsen bedanken. Die Milchbrötchen stiften stillen Applaus.

Der wahre Profi behält in jeder Situation die Nerven, bewahrt einen kühlen Kopf, aber verliert schonmal den Überblick. Genaugenommen kommt es darauf aber auch garnicht an. Es muß einem einfach egal sein. Wenn Oma andere Leute rammt, sich wo durchdrängelt, den Einkaufswagen mitten in die Quere stellt oder sich in die Warteschlange einreiht um dann den Wagen im Stich zu lassen, dann muß einem das egal sein. Der Einkaufswagen wird währenddessen fröhlich weiter nach vorne gespült und Oma besitzt dann auch noch die Unverfrorenheit sich nach einer halben Stunde fröhlichen Einkaufens selbst wieder zum Wagen durchzudrängeln und als Nächste drann seien zu wollen. Wir als Profi nehmen das alles nur hin, machen am Besten keine Vorschläge und halten aus sonstigen Entscheidungen gänzlich heraus. Hier sollte man souverän sämmtliche Rollenvorteile ausnutzen und endlich wieder der kleine der dumme Enkel sein der von nichts ne Ahnung hat. Ist viel praktischer, als zu versuchen alles irgendwie im Griff zu behalten und dann doch zu scheitern.

Und so ist es uns auch egal wenn Oma alles aufhält weil sie anfängt auf dem Band an der Kasse alles feinsäuberlich zu ordnen und zu sortieren und es läßt uns auch kalt als sie tatsächlich damit Anfang dutzende von Pfennigstücken aus ihrem Geldbeutel zu kramen und auf dem Kassenband aufzuschlichten. Der Profi wird sich hier endlich der vollen Vorteile seines "Mir egal, ich mach einfach nur"- Moduses (kurz MEIMEN-Modus) bewußt und geniest gleich den vollen Funktionsumfang in all seinen Facetten.

Omas Entfernungsvorstellungen:

Entfernungen sind für Oma etwas ganz anderes und sie scheint eine etwas verzerrte Vorstellung zu haben was das angeht. Naja, eigentlich auch kein Wunder. Wenn man selbst nichtmehr so gut läuft, selten irgendwo rauskommt und noch niemals weit weg im Urlaub war dann werden kleine Strecken zu gigantischen Entfernungen. So findet es Oma immer total furchtbar daß man zu Ihr zu Fuß kommt, weil das doch so furchbar weit ist. Dabei läuft man grade mal 10 Minuten, eine Strecke die wir täglich von der U-Bahn zu Uni zurücklegen und bestimmt noch viermal in der Uni selbst. Oma freilich bräuchte für dieselbe Strecke eine Stunde und würde vermutlich niemals am Ziel ankommen, weil es ihr schon viel zu weit ist. Aber obwohl sie so schlecht läuft macht sie dann trotzdem wieder alles im Stehen und Gehen. Wir wollten ihr schonmal einen Barhocker andrehen wo sie stehen und sitzen zugleich kann, aber den hat sie nur dankend abgelehnt, vielleicht weil sie nicht wußte was ein Barhocker ist.

Auch wenn wir schnell für sie zum Einkaufen rennen kommt es ihr so furchtbar weit vor. Deshalb sollen wir auch eine Jacke anziehen, obwohl wir grade mal 2 Minuten draußen unterwegs sind und dafür dann 15 Minuten im Laden mit der Jacke rumrennen. Wenn wir die Jacke dann verweigern schlägt sie die Hände über dem Kopf zusammen und ruft "Oh Gott oh Gott". Auch wenn wir schwitzen (weil wir z.B. vorher zuviel anziehen mußten) dann will sie uns abtupfen oder gar den Rücken abreiben. Wir wehren uns mit Händen und Füßen und sollen dafür dann wenn wir rausgehen auch was warmes anziehen, weil wir uns sonst einen Zug holen. Natürlich schwitzen wir dann nur noch viel mehr und bei 30°C im Schatten holt man sich schließlich auch keinen Zug.

Wie Captain Kirk im Raumschiff Enterprise muß sich Oma fühlen wenn wir sie wirklich mal ins Auto laden weil sie zum Aldi will und mit ihr die gigantische Entfernung von 5 Kilometern zurücklegen. " ... und dringt dabei in Ortsbereiche vor wo noch nie zuvor eine Oma gewesen ist ...". Oder so etwa. Erstes Problem dabei schonmal: Das Anschnallen. Omas entschuldigung dazu: "Ich bin schon solange nichtmehr Auto gefahren, ich weiß garnichtmehr wie das alles geht." (Anmerkung: Sie hat nie den Führerschein gemacht.)

Ganz katastrophal wird es wenn man mit Oma in die Stadt muß um sie zum Beispiel zu einem Arzt zu bringen. Öffentliche Verkehrsmittel scheiden hier schon vorweg aus, weil die viel zu lange dauern und viel zu Stressfördernd sind. Wenn Oma schnell ein- oder aussteigen sollte würde sie vermutlich die Panik kriegen und Hals über Kopf rein- bzw. rausstolpern. Also bringt man sie mit dem Auto und am besten zwei Leuten hin. Trotzdem macht sich Oma Sorgen, denn das ganze ist ja so furchtbar weit weg. Wenns dann noch Winter ist macht sie sich doppelt Sorgen: "Meine Güte! Da müssen wir jetzt im tiefsten Winter so weit fahren." Daß wir täglich in die Stadt rein- und rausfahren und mit dem Auto desöfteren hunderte von Kilomtern zurücklegen müssen, egal ob Sonnenschein, Schnee oder Regen versuchen wir ihr ganricht erst zu vermitteln. Auch daß hier nicht Sibirien ist und auch im tiefsten Winter selten Schnee liegt, vergessen wir sowieso gleich wieder.

Oma ist eben in einer anderen Welt. Kein Wunder wenn praktisch der einzige Kontakt zur Umwelt über das Fernsehen und die Werbesprospekte im Briefkasten besteht. Mal sehen wie uns das ergehen wird wenn wir in dem Alter dann blos noch über Online-Konferenzen und Internet den Kontakt mit der "Realität" halten. Aber mit etwas Glück wird das Internet niemals zu verzerrt werden wir die Pseudowelten des Privatfernsehens.


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