Gesprächsinitiierung:
Nun sitzen schon alle lieben Leute da, da sollen sie doch bitte schön mal über was reden. Das ist der Kerngedanke dahinter. Das Beginnen von sinnloser Plauderei ist dabei kein besonderes Kunstück wenn man auf das richtige "Reizthema" zurückgreift. Man kann dabei aus einer großen Palette an Themen wählen die mit hoher Wahrscheinlichkeit bei jedem Publikum eine heiße Diskussion entbrennen lassen. Das liegt einfach daran, daß man bei diesen speziellen Themen von Natur aus gänzlich unterschiedlicher Meinung sein kann. Damit es gleich beim ersten Versuch so richtig funkt und kracht gehört vor die Initierung eine umfangreiche Sondierung der anwesenden Gäste. Zu suchen sind dabei vorzugsweise Interessenskonflikte die keinesfalls so einfach lösbar sind.
Ungeeignet sind daher Themen die alle anwesenden vereinen. Beginnt man beispielsweise über das Wetter zu plaudern, so erntet man damit zwar kurzzeitig eine große Resonanz (z.B. wenn man sich über das andauernde Mistwetter beschwert), aber einem geht auch gleich wieder der Gesprächsstoff aus ohne daß das Gespräch irgendwie gezündet hätte.
Vergessen wir nicht: Vorangiges Ziel sollte es sein, daß möglichst viele Personen möglichst enthusiastisch versuchen ihren Senf beizusteuern. (Übrigens: Weil wir Deutschen dies noch nicht recht erkannt haben beschweren wir uns immer noch so häufig über das Wetter.) Also suchen wir doch einmal nach ein paar Gegensätzen. Ideal ist es wenn man ein paar politisch interessierte Personen anwesend hat, die sich auch als solche zu erkennen geben und diese mit ihren Ideen unterschiedliche Richtungen verfolgen. Am idealsten ist es dabei gleich einen aktuellen Knackpunkt anzusprechen der die Anwesenden emotional sofort auf die Palme bringt. Die schlichte Frage "Was ist eigentlich aus eurem Vereinsheim geworden?" kann da im Idealfall sofort eine kleine Wortschlacht verursachen.
Wichtig ist es dabei daß man selbst stets flexibel sticheln sollte und stets die Meinung vertreten sollte, welche am meißten Proteste bei den Gesprächspartnern auslöst äußert. Stichelt man gechickt genug bei allen Parteien hauen die sich bald gegenseitig die Fetzen um die Ohren und man selbst kann sich gespannt zur Beobachtung zurückziehen und den Rest den Streitparteien überlassen. Man selbst bleibt souverän und geniest.
Nun aber eine Liste der wichtigsten Themen die nicht nur bei Parteimitgliedern funktionieren sondern zumeißt auch bei Personen die überhaupt nur irgendwie eine Meinung haben: Atomkraft, Rüstungsausgaben, Kraftfahrzeug, Abtreibungsrecht, Rauchen, Drogen, Alkohol, Kirche, Reality TV, Computerspiele, Computerisierung, Krankfeiern, Toll-Sein, usw.
Wichtig ist dabei stets, ein möglichst inhomogenes Publikum zu haben, daß sich und seine Meinung auch vertreten will. Leute denen sowieso schon alles egal ist, sind in aller Regel ungeeignet und bedürfen besonderer Zuwendung. Es gibt dabei ein paar "natürliche Konflikt- und Spannungsfelder" die man kennen sollte. Einige Beispiele:
Männer und Frauen vertragen sich von Natur aus nicht, außer sie befinden sich gerade am Beginn einer Beziehung. Ansonsten kann man mit der Diskussion "Sexuelle Belästigung oder Provokation durch die Frauen" mit Leichtigkeit Emanzen und Machos gegeneinander hetzen. Andersherum lassen sich auch die prinzipiell ähnlich Konzipierten Vorstellungen "Versteh einer die Männer" bzw "Versteh einer die Frauen" zu einem Quirrligen Dissenz darüber vermengen wer nun wo die Schuld trägt und wer nun eigentlich "besser", "böser" oder "blöder" ist.
Das ist übrigens eine sehr wichtige Grundregel: Es muß immer darum gehen daß einer recht hat und der andere nicht. Also eigentlich hat ja keiner richtig recht, aber jeder muß recht haben wollen und die Chance zur Erreichung dieses Ziele noch sehen. Dieses Aufeinanderhetzen nach dem "Besser-Böser-Blöder" Prinzip wird ja auch sehr gerne in "Talkshows" praktiziert die auf die direkte Konfrontation bauen, wie z.B.(damals) "Der heiße Stuhl", "Einspruch" oder (heute) "Arabella". Der wahrlich intelligente Kenner sollte dabei nicht den Fehler begehen sich in den Strudel aus Zynismus, Polemik, Gebrülle und Unsachlichkeit hineinziehen zu lassen sondern sich lieber still, heimlich und leise kichernd über die animalisch agierenden Kontrahenten amüsieren.
Noch ein Beispiel: Hetzen wir doch einmal den reichen Juppy Sohn der mit Papas neuem BMW vorgefahren ist und die ökologisch orientierte müslifressende und fahrradfahrende Gartenbaustudentin aufeinander. Im Idealfall hält der Juppy die Ökologin für eine Emanzen-Ziege die blos neidisch auf ihn ist und die Ökologin hält den Juppy für einen aroganten Umweltzerstörer und ist tatsächlich neidisch auf ihn. Es ist dabei übrigens extrem vorteilhaft wenn sich bereits innerhalb der jeweiligen Personen Interessenskonflikte abspielen. So hat der Juppy vielleicht tatsächlich Gewissenskonflikte wegen seiner Umweltzerstörerischen Tendenzen und die Ökologin würde eben auch gerne einen BMW fahren. Die Personen trauen sich dies jedoch nicht einzugestehen und vor so einem starken Opponenten natürlich erst recht nicht. Und alles was man in sich selbst haßt und mehr oder weniger besiegt hat, will man nun natürlich erst recht bei anderen hassen und besiegen, streng nach dem Motto: "Wenn ich mich hab leiden lassen, dann Du Dich aber bitte jetzt auch."
Wirklich interessant und haarsträubend spannend wird es aber, wenn die Gesprächsteilnehmer nicht so derb auf ihre jeweilige Opponentenrollen festgenagelt sind, sondern diese nach momentaner Laune frei wählen können. Entbreitet sich dann ein Wortgefecht, so kann der aufmerksame Beobachter gelegentlich das interessante Phänomen beobachten das in Fachkreisen auch als "Meinung wechsle Dich" bezeichnet wird. Es ist dabei keineswegs ungewöhnlich, daß zwei Opponenten während eines Gespräches plötzlich jeweils die Meinung vertreten die sich noch vor fünf Minuten niederreden wollten. Solche Tauscherreien geschehen dabei immer synchron mit dem Gegenüber sodaß man sich nicht einigt sondern nun lediglich "andersherum" streitet. Bemerkenswert dabei ist, daß dies nur sehr selten einem der Beteiligten irgendwie auffällt, weil alle viel zusehr damit beschäftigt sind sich gegenseitig die Köpfe einzuhauen. Grund dafür ist sicherlich wieder das BBB ("besser böser blöder") wobei man selbst der Bessere sein will und der andere gefälligst der Böse-Blöde zu sein hat. Um ihm das zu beweisen tut man alles, sogar seine Meinung ändern. Dies meint jedoch, daß man (wenn erstmal alles in Fahrt gekommen ist) jede beliebige Meinung vertreten würde, hauptsache man kann sein Gegenüber damit noch in die Enge drängen.
Nun aber nochmals zurück zu der Initialisierung. Es ist von entscheidender Wichtigkeit die verwundbare Stelle der anderen Person zu finden. Dies meint, daß man etwas in den Dreck ziehen muß mit dem sich der Andere persönlich emotionell sehr stark identifiziert und von dem er sich nicht einfach distanzieren kann. Zudem sollte es etwas sein, das nicht ganz blütenrei ist. Am besten irgendein deutliches Manko, dessen er sich eigentlich selbst bewußt ist aber das er so und in dieser Größenordnung nicht zugeben kann und auf das er schon mehrfach angesprochen wurde. Ein zusätzlicher Kick kann dabei eine gewisse Unverschämtheit und Blödheit sein mit der man ganz "unauffällig" mit einer Frage stichelt. Idee dabei: Man muß den anderen mit naiver Blödheit an einer Stelle treffen an der er selbst seit langem hart arbeitet, aber die er selbst noch nicht zu seiner vollen Zufriedenheit lösen konnte. Dabei deklassiert man den Anderen, indem man ihm durch die eigene "Naivität" unterstellt, daß dieses für ihn sehr schwer zu lösenden Problem doch total einfach zu meistern ist und jeder der das nicht hinkriegt sowieso eine volle Flasche ist.
Beispiel hierfür: Ein hartarbeitender Informatiker der bereits jahrelang an dem heiklen Problem der maschinellen Texterkennung arbeitet und endlich ein System vorstellen kann mit dem man in null-komma-nix einen Text zu 99,9% fehlerfrei einlesen kann und dann vom skeptischen Gegenüber (der möglichst für den Informatiker von persönlicher Wichtigkeit sein muß) zu hören kriegt: "Naja und wieso macht das dann soviele Fehler, wenn das angeblich so toll ist? Des funktioniert ja garnicht!" Der arme Informatiker der jahrelang nur für die Realisierung geschuftet hat und sich diese Frage wohl auch schon tausende von malen in einsamen Stunden nachts vor dem Rechner gestellt hat aber der tausendmal mehr berechtigung hatte diese Frage zu stellen wird möglicherweise jetzt einfach explodieren vor Wut. Das verflixte dabei ist vorallem, daß er aufgrund seiner Frustration gerne auf irgendwen oder -was einschlagen würde aber keinen rechten Schuldigen finden kann. Nun ackert der arme Mann monatelang dahin und hofft wenigstens am Ende statt Frust etwas Anerkennung zu ernten und was passiert: Er kriegt sie nicht sondern eine saublöde Frage.
Ein typisches Beispiel wie man jemanden an seiner verwundbaren wunden Stelle treffen kann. Mit anderen Worten: Das ist das Fettnäpfchen das die meißten Leute zu umgehen versuchen und das man zur Diskussionsinitialisierung jedoch suchen sollte. Der so beleidigte wird nun in einem emotionsstarken Wortschwall zu reden beginnen und nicht eher verstummen bevor sein Gegenüber davon überzeugt ist, daß er der Beste, Tollste, Größte auf der Welt ist, sodaß er dadurch ein wenige Befriedigung und Genugtuung erreicht. Als Diskussionsinitiator will man sich dies freilich eigentlich nicht selbst anhören und somit sollte man eine andere Person mit der genau konträren Prägung zur Hand haben die diesen Gegenpart übernehmen kann. Dabei muß man sich selbst aus der Schußlinie halten. Wir sollten also nicht selbst den Satz "Und wieso schaffst Du es nicht, daß es endlich mal funktioniert?" äußern sondern jemand anderen dazu verleiten ihn zu sagen. Nehmen wir am besten eine Person die sich auf dem Gebiet überhaupt nicht auskennt (d.h. diesbezüglich wirklich naiv ist) und erklären ihr was der andere anwesende Gast zur Zeit so macht und wie die Texterkennung funktioniert und erörtern das Problem daß man immer noch soviel von Hand nachbessern muß. Wenn wir es geschickt genug machen bringen wir die Person dazu den Satz "Ja des ist ja voll blöd, wenn das nicht funktioniert" (oder etwas ähliches) leichtfertig zu äußern vorallem wenn diese Person sowieso gegen allen technischen Fortschritt eingestellt ist ... und schon - ZOOOM! ist die hübscheste Diskussion im Gange. Und wir (da wir ja nun nichts böses gesagt oder getan haben) machen und still und leise auf und davon um von etwas weiter weg (aus sicherer Entfernung quasi) der Diskussion zu fröhnen.
Der echte Profi wandert somit durch die gesammte Party und zieht hinter sich eine Spur der Erregung und der lautstarken Diskussionen. Die anfänglich so leise, stille, triste Party verwandelt sich (während der Profi unbemerkt von Grüppchen zu Grüppchen huscht) allmählich zu einem wahren Inferno. Bald schon meint man mitten im Plenarsaal zu sitzen.
Gesprächsterminierung:
Es ist grundsätzlich nichts schwieriges einen Menschen der unbedingt
mit einem reden will mundtot zu machen. Genauso kann man in einer (nicht
allzu engagierten Gesellschaft) einen eifrigen Redner schnell davon überzeugen
daß er lieber den Mund hält.
Einzig das trennen von zwei Streihähnen bedarf einem genau abgestimmten
mehrstufigem Vorgehen.
Nehmen wir einmal an jemand will uns unbedingt etwas erzählen weil es ihn sosehr beeindruckt hat, aber wir wollen es nun eigentlich wirklich nicht hören, oder aber wir wollen den anderen ein bischen frustrieren, weil wir wegen irgendwas noch eine Rechnung offen haben. Blicken wir denjenigen doch sehr interessiert an. Ein lächeln auf den Lippen, die Augen weit aufgerissen, den Kopf leicht schräg, leicht nickend, vorgebeugter Oberkörper, ev. das Kin auf eine Hand gestützt. Nun beginnen wir immer leise "aha ... ahja ... sehr interessant ... so so ... aha ..." zu murmeln. Wir tun dies aber nichtnur wenn der andere wieder einen Satz beendet hat oder ein bestimmtes Detail verkündet hat sondern ständig laufend und übertrieben oft. Schnell wird unser Gegenüber erkennen daß wir alles interessant finden und es keinerlei Rolle spielt ob er nun niest, einen Schluck Wasser trinkt oder sonstwas tolles sagt. Die Irritation darüber wird ihn zunächst immer wieder stoppen lassen. Er wird uns irritiert fragen ob es uns denn nicht interessiert und wir müssen natürlich darauf beharren daß es uns natürlich total interessiert, allerdings sollten wir dies im überschwenglichen Maß tun. Sobald der andere weiterredet murmeln wir wieder "aha ... soso ... ach wirklich ... ja toll ..." und starren ihn die ganze Zeit mit weitaufgerissenen Augen an. Nach kürzester Zeit wird sich unser Gegenüber frustriert abwenden und erkennen daß es verarscht wurde oder aber es wird sich erbarmen und erstmal nichts sagen oder ein neues Thema suchen.
Eine andere, wenngleich auch nicht besonders gute Möglichkeit ein Gespräch zu töten ist es, eine Diskussion zu gewinnen. Man muß die Diskussion dabei aber derartig vernichtend gewinnen, daß jeder weitere Widerstand des Gegenübers ausbleibt. Das jedoch ist keine leichte Sache und wie wir bereits gelernt haben, auf regulärem Wege in aller Regel nicht zu bewekstelligen. Viel besser ist es sich des sogenannten Potterns (deutsche Bezeichnung) zu bedienen. Zu diesem interessanten Thema gibt es inzwischen sogar einige Fachbücher. Potterns basiert vorallem darauf, unbedingt das letzte Wort zu haben. Normalerweise muß man dies erreichen, indem man mehr Fachkompetenz beweißt als sein Gegenüber. Dies wiederum läßt sich am leichtesten durch eine Täuschung erreichen. Man leitet bei seinen Ausführungen auf ein Thema um, von dem der Andere keine Ahnung hat und vielleicht garkeine Ahnung haben kann, weil es in Wirklichkeit nicht existiert. In diesem fiktiven Fachgebiet kann man dann herumflunkern, daß sich die Balken biegen und der Gesprächsteilnehmer muß einem nur beeindruckt zusehen. Ein paar Fachwörter hie und da tun das übrige und schon ist man in Kontrolle der Situation. Kurz zusammenfassen läßt sich das am Beispiel von zwei Personen, die sich beispielweise über die Qualität von Wein unterhalten und der eine setzt dann auf die Ausführung "Der französische Wein von 1983 ist allgemein sehr beliebt." den kurzen definitiven Satz "Ja, aber nicht im Süden!" dazu und lockt damit den Kontrahenten ev. auf ein Gebiet von dem er nichts weiß. Gleichzeitig hat man durchblicken lassen, daß man das gesagte natürlich schon wußte, aber darüberhinaus noch viel mehr weiß. Läßt das Gegenüber trotzdem nicht locker, so kann man ja ganz nebenbei erwähnen, daß man sich mit dieser Fachrichtung gerade nicht beschäftigt, weil man etwas weitaus komplexeres macht. Dann sollte man dies wieder durch einige Fachbegriffe unterstreichen und mit diversen Details ausschmücken.
Wenn man es etwas härter betreiben will, so kann man sich auch einiger höchst unsinniger Floskeln bedienen um den anderen mundtot zu machen. Man muß den anderen mit einer überzeugend dargebrachten Phrase, die möglichst wenig Sinn hat, so derartig verunsichern, daß er/sie nichtmehr weiß was zu sagen ist. Der Trick besteht darin einen Satz zu sagen der verbal und gramatikalisch absolut korrekt ist und auch keine absonderlichen Dinge miteinbezieht, aber dessen Sinn bei genauerer Analyse offenbar nicht vorhanden oder zumindest höchst fraglich ist. Der Gesprächspartner wird dann einige Sekunden lang versuchen, den soeben gehörten Satz zu dechiffrieren und mit dem in Einklang zu bringen, von dem man gerade spricht. Er wird wahrscheinlich vermuten er hätte sich irgendwie verhört, andererseits war der Satz absolut klar und verständlich. Wir müssen natürlich während dieser Phase der Verunsicherung eine ernste und überzeugte Miene machen um den Gegenüber zu signalisieren, daß wir das absolut so meinen und nicht anders. Wir können diese Phase der Desorientierung natürlich auch benutzen um uns aus dem Staub zu machen. Während unser Gegenüber mit sich selbst beschäftigt ist und dadurch für Sekunden wie gelähmt wirkt, fügen wir murmelnd hinzu "Naja, nicht so wichtig!" klopfen ihm vielleicht nochmal auf die Schultern, um ihm mitzuteilen, daß es nicht so besonders schlimm ist, daß er (mal wieder) nichts kapiert und dann sollten wir uns umdrehen und weggehen. Er wird uns nicht folgen. Ein wahres Meisterstück einer Phrase die soetwas bewirken kann ist "War James Bond damals schon tot." Egal von was man spricht, wenn man irgendeinen Zusammenhang herstellen der schon eine Weile vorbei ist, so kann man diesen Satz wundervoll verwenden. "War James Bond da schon tot?" Und unser Gegenüber versteinert. Warum ist dieser Satz so verwirrend. Zum einen paßt er vermutlich nicht direkt Kontext, hat aber andererseits einen sinnvollen Bezug, denn er fragt ob zu diesem Zeitpunkt auch etwas anderes war (nämlich ob James Bond schon tot war). Gleichzeitig ist der Satz unsinnig, da James Bond ja heute noch nicht tot ist. Schlimmer noch: James Bond ist ein Filmcharakter, der als eine seiner hervorstechensten Eigenschaften unsterblich zu sein scheint. Allein diese Multi-Idiotie macht es aus, daß man einige Zeit darauf verschwenden muß alle relevanten Hintergrundinformationen abzugrasen die für die vollständige Dechiffrierung notwendig sind. Hat man es einmal geschafft, weiß man trotzdem noch nicht mehr. Im besten Fall erkennt man noch, daß es sich um eine unsinnvolle Phrase handelt, die man am Besten ignoriert. Gefährliche Ausnahme: Das Gegenüber kennt den Spruch bereits. Deshalb: Am besten eigene neue Sprüche ausdenken und so sparsam wie möglich verwenden, denn gute derartige Sprüche sind nicht ganz leicht zu finden.
Die sicherlich brutalste Methode um ein Gespräch abzubrechen ist es, einfach wegzugehen. Es gibt einige Personen welche diese phantasielose Methode sehr gerne anwenden. Vielleicht sagt man noch kurz: "Moment mal" oder "Entschuldige bitte" und dann wendet man sich, während der Gesprächspartner gerade seinen Satz zueende spricht, ein für allemal ab und beschäftigt sich mit anderen "interessanteren" Dingen. Man kann auch einfach nichtmehr mit jemand bestimmten Reden und ihn einfach ignorieren. Dies ist natürlich eine extrem unfeine Methode die auch sofort durchschaut und meißt schnell bestraft wird. Auch die völlige Weigerung noch irgendwie etwas zu äußern, stößt meißt nicht auf besondere Gegenliebe beim Gegenüber. Man kann ja ab und an, aber eben sehr selten und kurz nicken. Auf gestellte Fragen antwortet man am besten möglichst knapp, also mit "ja", "nein", "weiß nicht", "normal", "ach" und "öh", auch ein "naja", "geh" oder ein "mei" sind ab und an noch erlaubt. Fängt man selbst dann keinerlei Themen mehr an und gibt auch keinerlei Informationen mehr. Das Gegenüber verliert so jegliche Anknüpfungsmöglichkeit. Die einzige Alternative die noch bleibt ist es, daß er selbst weiter diverse eigene Geschichten erzählt. Wenn er dabei dann auch keine besondere Bewunderung erfährt, sondern nur ein stummes seltenes Nicken, dann ist er bald frustriert und such sich eventuell einen anderen Gesprächspartner.
Alternativ kann man das Gegenüber auf einer anderen Ebene fertig machen. Dazu beginnt man ihn nach Strich und Faden psychologisch oder zu Not auch pseudo-psychologisch (übrigens sehr gerne verwendet) zu analysieren. Die meißten Leute werden auf diese Weise nicht gerne analysiert, genausowenig wie sie sich gerne fotografieren lassen. Folglich finden sie es störend. Man muß die Analyse penetrant weitertreiben. Die Involvierung von möglichst persönlichen Fakten ist dabei ausgesprochen wichtig. "Sag mal mußt Du immer versuchen die Aufmerksamkeit auf Dich zu lenken." , "Warum bist Du eigentlich immer noch so naiv." , "Das Thema scheint Dich ja zu interessieren, hattest Du da mal als Kind ein Schlüsselerlebnis?" , "Warum bist Du denn da so verklemmt?" Unsachliche persönliche Kritik wird immer gerne mit Ablehnung beantwortet. Und übrigens, ist das Thema "Verklemmt" immer ein tolles Thema um jemand anderen in Bedrängnis zu bringen. Schließlich gilt niemand gerne als Verklemmt. Hat man ihn einmal soweit, daß er leugnet irgendwie verklemmt zu sein, so kann man ihm einiges aufhalsen, mit dem er (oder genauso auch sie) zeigen soll, daß sie nicht verklemmt sind. Spätestens bei so Dingen wie "den Piloten der Linienmaschine bitten eine Linkskurve zu fliegen, weil einem der Lippenstift unter den Sitz gerollt ist", wird jeder nicht völlig überzogene Mensch ins Schlucken geraten. Aber lassen wir das einmal beiseite. Schließlich wollten wir die unterhaltung mit unserem Gegenüber ja gerade terminieren. Als Möglichkeit dazu bietet sich noch die "forward" Methode. Man schickt den Quälgeist einfach mit den Worten "Du, das ist ja irre interessant, aber ich kenn mich da nicht aus. Aber ich glaub der Sowieso interessiert sich brennend dafür. Willst Du Dich nicht mit dem unterhalten. Kuck er steht gleich dort drüben." einfach weiter zum nächsten ungeliebten Gast.
Wesentlich komplexer als die bisher bearbeiteten Gesprächsterminierungen ist das Trennen zweier Streithähne. Zuerst muß man möglichst soviele Gehilfen haben, wie man Streithähne hat, ansonsten wird es noch schwieriger. Dann muß man die einzelnen Personen auf sich fixieren. Entweder indem man in die Diskussion einsteigt und sich direkt an sich richtet oder indem man eine andere "furchtbar wichtige" Frage stellt. Wenn man ihn erstmal auf diese Weise weggedrängt hat von den anderen Streithähnen, kann man wieder normale Formen der Gesprächsterminierung verwenden, obwohl man dann das Risiko eingeht, daß sich die Person einen neuen Streitpartnet sucht. Besser ist es, man sucht der Person einen Gleichgesinnten, mit dem er über die "allgemeine Unfairness des Lebens" etc. lamentieren kann ohne jemand zu stören. Um zwei Streithähne auseinander zu bringen kann man sich natürlich auch dieses Solidarisierungsprinzips bedienen und sich mit einer der Streithähne solidarisch erklären und ihn gleichzeitig von den Kontrahenten weglocken. Man erklärt ihm dann noch, daß die anderen sowieso alles Spinner seien und man sich nicht weiter drüben aufregen sollte. Natürlich macht man das dann am besten auch bei den übrigen Kontrahenten so, und vermittelte so allen streitenden Personen, daß jeweils alle anderen Kontrahänten sowieso total doof sind und sich ein streiten garnicht lohnt. Dadurch fühlt sich jeder als der moralische Sieger und alles ist paletti. Wenn man alleine die Streiter auseinaderbringen soll, ist es natürlich schwieriger, da man leicht zwischen die Fronten gerät. Die Erfahrungen aus der erfolgsreichen Kriegstaktik lehren uns deshalb: Bevor man "zwischen" die Fronten gerät sollte man lieber eine einzige neue Front schaffen, auch wenn man dann riskiert alle gegen sich zu haben. Wenigstens sind die Konfliktlinien dann sauber und klar zu sehen. Also: Wir vereinen die Streiter durch einen geschickten Schachzug. Wir kritisieren und beleidigen mit einer einzigen infamen Anschuldigung einfach alle anwesendn Streiter gleichermaßen. Dazu ist es notwendig eine Gemeinsamkeit zu finden. Wenn keine andere Gemeinsamkeit aufzutreiben ist, kann man sich immer noch auf die allgemeine Tatsache berufen, daß hier gerade so laut gestritten wird und das als höchst unzivlisiertes oder meinetwegen auch als "unchristliches" Verhalten bezeichnen und alle als "gesellschaftsfeindliche" unerzogene Kinder anprangern. Hauptsache alle fühlen sich prima beleidigt und ungerecht behandelt. Dann wird man einen Sturm der entrüstung auf sich losbrechen sehen, aber in der mehrzahl der Fälle wird man (sofern man diese Taktik lange genug beibehält) erreichen, daß sich die Streithänse untereinander wieder versöhnen und miteinander solidarisch erklären, da man ja nun einen gemeinsamen schlimmeren Feind hat.
Wenn man all diese Anregungen mit eigenen Erfahrungen und Versuchen weiter entwickelt und verfeinert, so wird man auf jeder Party viel Freude haben und irgendwann in der Kontrolle jedes Gespräches sein, zumindest sofern man dies will und solange niemand da ist, der es meint besser zu können. Andererseits schadet es auch nichts, einfach nur "normaler" Partygast zu sein.
Mit herzlichsten Grüßen ...
... und probiert das nie mit mir :-)